Wahlplakate von Angela Merkel und Martin Schulz | Bildquelle: REUTERS

Bundestagswahl Politisches Beben in Berlin

Stand: 25.09.2017 02:18 Uhr

Es ist eine Zäsur in der deutschen Politik: Erstmals seit mehr als 50 Jahren zieht mit der AfD eine Partei rechts der Union in den Bundestag, die SPD stürzt ab. Merkel kann Kanzlerin bleiben - die Partnersuche dürfte für die geschwächte Union jedoch schwierig werden.

Schwere Verluste für CDU und SPD, kräftige Gewinne von FDP und AfD: Die Wähler haben bei der Bundestagswahl die politischen Kräfteverhältnisse deutlich verschoben. Kanzlerin Angela Merkel kann zwar voraussichtlich vier weitere Jahre regieren - aber nur mit dem größten Verlust in der Geschichte der Union.

Laut der jüngsten Hochrechnung von Infratest dimap kommen CDU/CSU mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf 32,8 Prozent - vor vier Jahren waren es 41,5 Prozent.

Merkel sagte, sie habe sich ein besseres Ergebnis erhofft, aber die Union habe ihre strategischen Ziele erreicht: Sie sei stärkste Kraft und habe den Auftrag zur Regierungsbildung.

SPD unterbietet Negativrekord von 2009

Auch die SPD stürzt auf ein Rekordtief. Die Partei von Kanzlerkandidat Martin Schulz unterbietet mit 20,4 Prozent noch ihren Negativrekord von 2009 (23,0 Prozent).

Kurz nach Bekanntgabe der 18-Uhr-Prognose erklärte Schulz, dass seine Partei keine neue Große Koalition bilden, sondern in die Opposition gehen wolle. Er kündigte an, SPD-Vorsitzender bleiben zu wollen. Den Fraktionsvorsitz strebe er nicht an, so Schulz. Es deutet alles darauf hin, dass Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles diesen Posten übernehmen wird.

AfD gewinnt Rennen um Platz drei

Die AfD triumphiert: Der Infratest dimap-Hochrechnung zufolge liegt die "Alternative für Deutschland" bei 13,0 Prozent und gewinnt damit das Rennen um Platz drei. Damit zieht erstmals seit den Anfangsjahren der Bundesrepublik wieder eine Rechtsaußen-Partei in den Bundestag ein.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland kündigte an, seine Partei werde die künftige Regierung "jagen", diese könne sich "warm anziehen". Man werde sich das Land "zurückholen".

Bei der Wahl vor vier Jahren hatte die AfD den Sprung in den Bundestag noch verpasst. Inzwischen sitzen ihre Abgeordneten in 13 Landesparlamenten.

Comeback der FDP

Die FDP kann ein furioses Comeback feiern. Die Partei mit Frontmann Christian Lindner schafft nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder den Sprung in den Bundestag. Die Infratest dimap-Hochrechnung sieht die Liberalen bei 10,7 Prozent.

Lindner machte deutlich, dass aus dem Ergebnis eine "große Verantwortung" erwachse. Es gehe darum, "die Stabilität der Bundesrepublik Deutschland in aufgeregten Zeiten zu sichern."

Kopf-an-Kopf-Rennen von Grünen und Linkspartei

Grüne und Linkspartei halten ungefähr ihr Ergebnis von 2013 - und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den fünften Platz. Laut jüngster Hochrechnung liegen die Grünen bei 9,0 Prozent, die Linkspartei bei 9,1 Prozent.

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Der Wahlabend

Entsetzte SPD-Anhängerin

Eine entsetzte Anhängerin der SPD nach Schließung der Wahllokale auf der Wahlparty der Partei. Schnell wird klar, dass die Partei ihr schlechtestes Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte eingefahren hat. | Bildquelle: dpa

Was heißt das für eine künftige Regierung?

Massive Verluste für die GroKo-Parteien, gestärkte kleine Parteien von ganz links bis ganz rechts - was heißt das für die künftige Regierung in Deutschland?

Nachdem die SPD eine Wiederauflage der Großen Koalition ausgeschlossen hat, ist nun eine sogenannte Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen am wahrscheinlichsten. Liberale und Grüne zeigten sich prinzipiell gesprächsbereit. Fest steht, dass im künftigen Bundestag sechs statt bislang vier Fraktionen vertreten sein werden.

Mit dem heutigen Wahltag endet ein Bundestagswahlkampf, der mit der überraschenden Schulz-Nominierung bei der SPD begann und kurzzeitig elektrisierte, nach den Landtagswahlen im Frühjahr  und während der Sommerpause dahinplätscherte  und in der Schlussphase - auch wegen des offenen Rennens um Platz drei - wieder Fahrt aufnahm. Die Meinungsforscher registrierten  bis zuletzt eine sehr hohe Zahl an Unentschlossenen, um die die Wahlkämpfer bis zum letzten Tag intensiv warben.

Insgesamt rund 61,5 Millionen Deutsche waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung liegt diesmal bei 75,9 Prozent. Vor vier Jahren hatten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Tina Hassel, ARD Wahlstudio, mit Einschätzungen zum Ergebnis
tagesschau 20:00 Uhr, 24.09.2017

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. September 2017 um 18:00 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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