Bundestagswahl Charts

Analyse des Wahlergebnisses Warum die GroKo einbrach

Stand: 25.09.2017 00:32 Uhr

Wurde die AfD allein mit der Flüchtlingspolitik zweite Kraft in Ostdeutschland? Wem verdankt die FDP ihren Erfolg? Warum kassierten SPD, CDU und auch die CSU in Bayern historische Niederlagen? Eine Analyse auf Basis der Daten von infratest dimap.

Von David Rose, tagesschau.de, zzt. Berlin

Das Wort "historisch" fällt angesichts der Ergebnisse dieser Wahl sehr häufig: Nie schnitt die SPD bei einer Bundestagswahl schlechter ab, nie verlor die Union so stark, nie gewann die FDP mehr Prozentpunkte hinzu und zum ersten Mal überhaupt zieht die AfD in den Bundestag ein. Damit werden im künftigen Bundestag sechs Fraktionen sitzen - so viele wie seit den frühen 1950er-Jahren nicht mehr.

Diese massiven Verschiebungen der Stimmenanteile passen auf den ersten Blick nicht dazu, dass 84 Prozent der Wähler die wirtschaftliche Lage Deutschlands und auch die eigene wirtschaftliche Situation positiv bewerten - ein Rekordwert. Eine Mehrheit findet auch, dass die Demokratie in Deutschland gut funktioniert und dass es im Land eher gerecht zugeht. Trotzdem zeigen sich nur 51 Prozent zufrieden mit der Arbeit der Großen Koalition - die CDU wird dabei deutlich positiver bewertet als die SPD und die CSU. Als Ergebnis ihres vierjährigen Bündnisses büßen alle drei Koalitionspartner massiv ein, auch die CSU. Sie rutschte mit 38,8 Prozent zum ersten Mal seit 1949 bei einer Bundestagswahl in Bayern unter die 40-Prozent-Marke und verzeichnete einen Rekordverlust.

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Nicht nur Flüchtlingspolitik schürt Sorgen
 

Unionsverluste trotz starker Kandidaten und stabilem Markenkern

Kritik an Regierungsbilanz und Wahlkampf der SPD
 

Viele andere Faktoren hatten aber ebenfalls großen Einfluss auf das Wahlergebnis. Die Union festigte ihren Markenkern auch in der Großen Koalition. In der Wirtschaftspolitik und bei Fragen der Inneren Sicherheit vertrauen die Menschen weiter mit Abstand am häufigsten auf CDU und CSU. Auch in der Außen, Steuer- und Bildungspolitik ist die Union die Nummer eins.

Zudem mobilisierte Kanzlerin Merkel als Spitzenkandidatin die Wähler: Für 38 Prozent der Unionswähler war sie ausschlaggebend für die Wahlentscheidung - kein anderer Spitzenkandidat erreicht bei den eigenen Anhänger einen vergleichbaren Wert. Merkel ist nicht nur die populärste Spitzenkandidatin, sondern sie war aus Sicht der Wahlberechtigten auch führungsstärker, glaubwürdiger und kompetenter als ihr Herausforderer.

Bei einer möglichen Direktwahl des Bundeskanzlers hätten sich 52 Prozent für Merkel und nur 33 Prozent für Martin Schulz von der SPD entschieden. Aber Merkel spaltet auch die Bevölkerung: Jeder Zweite findet, dass zwölf Jahre Merkel genug seien und man nicht genau wisse, für welche Überzeugungen sie eigentlich stehe. Dieses ambivalente Sicht auf die CDU-Chefin trägt dazu bei, dass die Union trotz ihrer Verluste wieder stärkste Kraft wurde.

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Unionsverluste trotz starker Kandidaten und stabilem Markenkern
 

Kritik an Regierungsbilanz und Wahlkampf der SPD

AfD punktet als Protestpartei
 
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Kritik an Regierungsbilanz und Wahlkampf der SPD
 

AfD punktet als Protestpartei

FDP-Erfolg hat einen Namen: Lindner
 
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AfD punktet als Protestpartei
 

FDP-Erfolg hat einen Namen: Lindner

Grünen-Anhänger wählten aus Überzeugung
 
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FDP-Erfolg hat einen Namen: Lindner
 

Grünen-Anhänger wählten aus Überzeugung

Die Linke punktet mit sozialer Gerechtigkeit
 
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Grünen-Anhänger wählten aus Überzeugung
 

Die Linke punktet mit sozialer Gerechtigkeit

Über dieses Thema berichteten am 24. September 2017 die ARD in der Sendung "Berliner Runde" um 20:15 Uhr und die tagesthemen um 22:30 Uhr.

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