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Vorwürfe gegen FDP-Politiker Brüderle
Sexismus-Debatte spaltet das politische Berlin
Zu den Sexismus-Vorwürfen gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle äußern sich immer mehr Politiker. Die Liberalen stellten sich erneut vor ihren Fraktionschef und warfen dem Magazin "Stern" eine absichtliche politische Beschädigung des FDP-Spitzenkandidaten vor.
Brüderle selbst lehnt weiter jede Stellungnahme zu den Vorwürfen der Journalistin Laura Himmelreich ab.
Die Grünen-Chefin Claudia Roth sagte dagegen auf NDR-Info, es wäre nicht schlecht, wenn Brüderle sich erklären und sich entschuldigen würde. Denn ganz offensichtlich habe die junge Journalistin sich angemacht gefühlt. Gleichzeitig kritisierte Roth, es sei schlimm, wie die Debatte zum Teil geführt werde.
Roth: "Sexismus ist keine Lappalie"
"Es ist sehr traurig, dass ganz offensichtlich immer noch Männer meinen, Sexismus sei eine Lappalie oder sogar ihr gutes Recht", sagte Roth. "Aber er ist herabwürdigend, verletzend und diskriminierend - und in keiner Form und Ausprägung in Ordnung."
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte der "Bild"-Zeitung: "Wenn Frau zum Objekt gemacht wird, ist jeder Spruch über Sexualität und Körper unmöglich, auch in der Tarnung des Altherrenwitzes."
Steinmeier für professionelle Distanz
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprach sich für eine "professionelle Distanz" zwischen Politikern und Journalisten aus. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte er, angesichts der Sexismus-Debatte gebe es neben dem Verzicht auf Heuchelei nur einen Grundsatz, "den sich Politiker - und vermutlich nicht nur die - auferlegen müssen: nämlich professionelle Distanz wahren".
Auf die Frage, ob ihm Brüderle leidtue, sagte Steinmeier: "Wenn ihm Unrecht geschieht, tut er mir leid. Ob das der Fall ist, weiß er nur selbst."
Kubicki will Journalistinnen meiden
FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki warf dem Magazin "Stern" dagegen erneut eine Kampagne vor: "Hier soll ein Hoffnungsträger der FDP mutwillig beschädigt werden", sagte Kubicki der "Bild am Sonntag".
Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Landtag von Schleswig-Holstein kündigte persönliche Konsequenzen an: "Ich werde künftig keine Journalistinnen mehr als Wahlkampfbegleitung in meinem Fahrzeug mitnehmen."
Außerdem werde er Situationen wie Gespräche an der Hotelbar meiden, wenn Journalistinnen beteiligt sind. "Denn natürlich rutscht einem da schon mal eine lockere und nicht gelungene Bemerkung heraus", so Kubicki. "Jetzt muss ich damit rechnen, dass das gegen mich verwendet wird."
Deutschland diskutiert über Sexismus in der Gesellschaft
tagesthemen 23:20 Uhr, 26.01.2013, Tim Herden, ARD Berlin
Stand: 26.01.2013 16:28 Uhr
