Briefträger wirft Post ein | Bildquelle: dapd

Modellprojekt der Stadt Bremen Briefträger als Freund und Helfer

Stand: 09.04.2018 09:53 Uhr

Gesprächspartner, Bargeldlieferant und nebenbei noch ein paar Briefe bringen: Bremer Postboten sollen sich künftig verstärkt um Senioren kümmern. Die neuen Dienstleistungen sind Teil eines Pilotprojekts.

Bremer Briefträger sollen künftig ihr Geschäftsfeld ausweiten und Hausbesuche bei Senioren machen. Gegen eine noch unbestimmte Gebühr sollen Briefträger alle paar Tage kurz mit den Rentnern sprechen und im Notfall die Johanniter-Sanitäter rufen.

Die neuen Dienstleistungen sind Teil eines bundesweiten Pilotprojekts für gebrechliche ältere Leute, um ihnen zu helfen, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Initiiert wurde die Aktion von der Stadt Bremen. Der Start des Service "Post Persönlich" ist für Mitte Mai vorgesehen.

Informationen über Dienstleistungen

Um möglichst passende Dienstleistungen anzubieten, hat die Stadt dafür neben der Post auch die Johanniter, die Sparkasse, Wohlfahrtsverbände und die Krankenkasse AOK angefragt. Entsprechend sollen die Postboten bei ihren Besuchen auch über die Arbeit der Wohlfahrtsvereine in der Hansestadt informieren. Viele Senioren wüssten schlicht nicht, dass es neben Pflegediensten weitere Hilfsangebote gebe, sagte der wissenschaftliche Leiter des Modellprojekts, Herbert Kubicek, vom Bremer Institut für Informationsmanagement.

Im Rahmen des Projekts bieten Post und Sparkasse einen kostenpflichtigen Bargeldlieferservice an. Ab Juli können Kunden telefonisch bis zu 500 Euro bestellen, die ein Briefträger einmal pro Woche nach Hause bringt. Mehrere Altenheime sollen E-Books erhalten. "Senioren können E-Books viel besser lesen als traditionelle Bücher. Denn das Display ist hell und die Schrift kann vergrößert werden", so Kubicek. Außerdem sollen die Heime ein Tablet erhalten, so dass Hörbücher oder DVDs von der Stadtbibliothek bestellt werden können.

Modellprojekt geht bis Ende 2019

Schließlich sollen Meldeamt-Angestellte ab Juli alle drei Monate in Altenheime kommen. So können Bewohner vor Ort ihren Umzug melden oder einen neuen Pass beantragen.

Das Bremer Modellprojekt soll bis Ende 2019 gehen. Ein Wissenschaftler begleitet das Projekt und wertet anschließend aus, welche Dienstleistungen ältere Menschen wirklich möchten. Ob die Post den Service auch in anderen Städten anbieten wird, ist noch offen.

Im Jahr 2014 hatte die Post bereits ein ähnliches Projekt im Ruhrgebiet gestartet. Wegen geringen Kundeninteresses wurde es nach mehreren Monaten jedoch wieder eingestellt.

Über dieses Thema berichtete Bremen Eins, Rundschau am 20. März 2018 um 07:00 Uhr.

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