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Wirtschaft
Regierung und Industrie starten Biosprit-Kampagne
Anteil von Biokraftstoffen soll massiv erhöht werden

Regierung und Industrie starten Biosprit-Kampagne

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel  (Foto: dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bundesumweltminister Sigmar Garbiel ]
Deutsche Autofahrer werden nach dem Willen der Bundesregierung künftig deutlich mehr Biosprit tanken. Die Beimischung des Öko-Treibstoffs zu Diesel und Benzin soll zunächst von derzeit fünf auf zehn Prozent steigen. Das gaben Umweltminister Sigmar Gabriel und Agrarminister Horst Seehofer bei der Vorstellung einer gemeinsamen Strategie von Regierung, Autoindustrie, Mineralölkonzernen und Landwirtschaft in Berlin bekannt. Bis 2020 soll der Wert durch die Entwicklung neuer Techniken dann auf 20 Prozent steigen.

Zweite Generation von Biokraftstoffen

Gabriel erläuterte, dass dem Benzin ohne Probleme ein erhöhter Anteil Bio-Ethanol beigefügt werden kann. Beim Diesel jedoch können nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) höchstens sieben Prozent Biodiesel beigemischt werden. Um die Zielvorgabe dennoch zu erfüllen, sollen andere Pflanzenöle hinzugefügt werden.

In dieser Anlage wird aus Holz Biokraftstoff hergestellt. Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In dieser Anlage wird aus Holz Biokraftstoff hergestellt. ]
Mittelfristig setzen Gabriel und Seehofer auf die zweite Generation Biokraftstoffe aus synthetischer Herstellung. Dabei handelt es sich um Treibstoff, der etwa durch Synthese-Verfahren aus Holz, Stroh oder Klärschlamm gewonnen wird. Solche Techniken sollen der Strategie zufolge spätestens bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts eine Alternative zu den bisherigen Treibstoffen werden. So solle auch verhindert werden, dass die Biokraftstoffe zu einer Konkurrenz für Nahrungsmittel werden.

Kontrolle des "nachhaltigen Anbaus" von Biosprit

Außerdem kündigte Gabriel an, solle künftig bei Biosprit in Deutschland und im Ausland kontrolliert werden, ob dieser aus "nachhaltigem Anbau" stamme. Kritiker hatten immer wieder bemängelt, dass Biokraftstoff oft aus Regionen stamme, wo für seine Herstellung auch Moore abgebrannt oder Regenwälder abgeholzt werden. Für die Zertifizierung könne es künftig unter anderem bilaterale Abkommen mit wichtigen Biosprit-Lieferanten wie Brasilien geben.

Zudem werde die Biosprit-Beimischung künftig nach der so genannten Nettobilanz erfolgen, sagte Gabriel. Dabei wird bei der Beimischung des Biokraftstoffs nur noch der tatsächliche Beitrag zur CO2-Senkung angerechnet. Der CO2-Ausstoß, der bei seiner Herstellung verursacht wurde, wird abgezogen. Das heißt, dass von Biokraftstoffen mit einer besseren Klimabilanz künftig zur Erfüllung der Quote weniger beigemischt werden muss.

Klimaschutzpläne können für Autofahrer teuer werden

Für viele Autofahrer wird die klimaschonende Beimischung von Biosprit allerdings teuer. Laut Matthias Wissmann, Vorsitzender des VDA, müssen etwa 375.000 Fahrzeuge mit teurem Superbenzin betankt werden, weil ihre Motoren die neuen Mischungen nicht vertragen.

Stand: 21.11.2007 20:09 Uhr
 

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