"Report Mainz"

Massenställe für Bio-Hühner?

Stand: 11.07.2017 16:40 Uhr

Bei Bio-Eiern denken viele an glückliche Hennen auf einem Hühnerhof. Die Realität sieht anders aus: bis zu 3000 Legehennen zusammengepfercht in einem Stall. Bald erlaubt die EU sogar mehr als 12.000 Hühner pro Betrieb.

Von Christin Jordan, Edgar Verheyen und Monika Anthes, SWR

Bei keinem anderen Produkt greifen die Deutschen so oft zu Bio-Ware wie bei Eiern. Für mehr Tierschutz sind sie bereit, deutlich mehr Geld zu zahlen. Doch wie werden Bio-Eier heute produziert - stimmt das idyllische Bild der glücklichen Hühner?

Maximal 3000 Bio-Legehennen pro Stall sieht die aktuelle EU-Verordnung vor. Pro Quadratmeter Stallfläche sind maximal sechs Tiere erlaubt. Von der romantischen Vorstellung eines kleinbäuerlichen Betriebs ist das schon ziemlich weit entfernt.

Mehrere Herden in einem Gebäude

Doch in den vergangenen Jahren wurde diese Bestimmung weiter ausgehöhlt. In Deutschland hat die Politik es zugelassen, dass mehrere Herden mit jeweils 3000 Hühnern in einem Gebäude gehalten wurden, abgegrenzt durch Trennwände. Außerdem wurde erlaubt, statt sechs bis zu zwölf Bio-Hennen pro Quadratmeter im Stall zu halten, wenn Volieren und Stahlgestelle vorhanden sind, die zur nutzbaren Fläche dazu gerechnet werden können. 

Seit drei Jahren wird die Reform der EU-Öko-Verordnung verhandelt. Report Mainz liegt ein vertrauliches Verhandlungsprotokoll vor. Am 28. Juni hatten sich Vertreter des EU-Parlaments, der Kommission und des Ministerrats auf einen gemeinsamen Reform-Text geeinigt.

Künftig mehr als 12.000 Tieren legal

Das EU-Parlament hatte gefordert, dass pro Bio-Betrieb maximal 12.000 Legehennen gehalten werden sollten. Außerdem sollte der Begriff Hühnerstall eindeutig definiert werden. Das Dokument belegt, wie diese Ziele im Zuge der Verhandlungen aufgegeben wurden. Wird der Entwurf umgesetzt, sind künftig riesige Bio-Legehennen-Betriebe mit deutlich mehr als 12.000 Tieren legal.

Martin Häusling von den Grünen ist Berichterstatter des EU-Parlaments in den Verhandlungen. Er sagt: "Das hat etwas mit der Kommerzialisierung des Biobereichs zu tun, wo tatsächlich Strukturen eingerissen sind, wo Großbetriebe zusammen mit dem Großhandel das Geschäft zunehmend bestimmen."

Druck auf kleinbäuerliche Betrieb steigt

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte sich nicht für eine Obergrenze bei der Legehennenzahl eingesetzt. Auf Nachfrage von Report Mainz lässt er durch einen Sprecher des Ministeriums mitteilen: "Mit der Revision der EU-Öko-Verordnung ist nicht geplant, die Kriterien bezogen auf das einzelne Tier zu lockern. Entscheidend bei der Tierhaltung sind die Haltungskriterien, nicht allein die Besatzgröße. Das steht dem Grundgedanken des ökologischen Landbaus nicht entgegen."

Kritiker sehen das anders. Sie halten die Neuregelung der EU-Öko-Verordnung für Betrug am Verbraucher - und an den Bio-Bauern. Die kleinen Bio-Bauern, so ihre Befürchtung, würden dadurch in den Ruin getrieben.