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10.02.2012

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Inland
Bildungsprotest (Foto: dpa)
Bundesweite Proteste gegen schlechte Bildung
Bundesweite Bildungsstreiks

Schüler und Studenten gegen Bildungsmisere

Bundesweit wollen heute Tausende Schüler, Auszubildende und Studenten auf die Straße gehen, um für bessere Bildungsbedingungen zu demonstrieren. Ihr Protest richtet sich gegen die Missstände in Schulen und Universitäten.

Einen Tag vor dem Bildungsgipfel in Berlin wollen die Teilnehmer mit ihrem Bildungsstreik den Druck auf die Politiker erhöhen. Schüler, Studenten, aber auch viele Professoren kritisieren die bisherige Umsetzung des sogenannten Bologna-Prozesses, der EU-weiten Vereinheitlichung der Hochschulabschlüsse. Studierende beklagen unter anderem verkürzte Lernzeiten und stärkere Prüfungsbelastungen wegen der Umstellung auf Bachelor-und Masterstudiengänge.

Insgesamt Hunderttausende auf den Straßen erwartet

Bildungsstreik (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Aktionen für bessere Bedingungen in Schule, Lehre und Studium ]
In Bayern sind Proteste in München, Nürnberg und Erlangen, in Würzburg, Regensburg, Augsburg und Passau geplant. In Hessen gehen die Schüler und Studenten in mindestens acht Städten auf die Straße. So demonstrieren sie in Frankfurt am Main und Marburg unter dem Motto "Freie Bildung für ein freies Leben". Weitere Informationen dazu bietet der hr.

Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen Studenten für eine bessere Bildungspolitik demonstrieren. Sie verlangen - wie ihre Kommilitonen im gesamten Bundesgebiet - mehr Mitsprache in Lehre und Forschung, die bundesweite Abschaffung der Studiengebühren sowie die Erhöhung des BAföG. In Magdeburg und Jena sind Demos durch die Innenstädte geplant. In Halle ist eine Aktion auf dem Campus angekündigt. Ausführlich berichtet der mdr darüber.

In Norddeutschland bleiben viele Klassenzimmer und Hörsäle heute leer, weil sich die Lernenden zu Tausenden an den Protestaktionen, die in mehreren Städten geplant sind, beteiligen wollen. Die Organisatoren des "Bildungsstreiks" beklagen überfüllte Klassen sowie einen zu hohen Leistungsdruck durch das "Turbo-Abitur" nach zwölf Jahren. Wie viele andere fordern sie eine Reform der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge. Der Landesschülerrat in Mecklenburg-Vorpommern distanzierte sich von dem "Bildungsstreik". "Da werden die Schüler ganz klar missbraucht", sagte Vorstandsmitglied Dejan Panow. Weitere Informationen finden Sie beim ndr.

Hintergrund:

Studierende der Universität Kassel (Foto: dpa)
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In Berlin erwartet das Bündnis Bildungsstreik mindestens 5000 Teilnehmer zu der Demonstration vor dem Roten Rathaus. Der rbb berichtet darüber.

Keine Forderung umgesetzt

Die Aktionen in Nordrhein-Westfalen sind seit dem Vormittag im Gange. Auch hier gehen Tausende Schüler und Studenten und Lehrer auf die Straße. Die Landesschülervertretung kritisiert, dass keine der beim Bildungsstreik im vergangenen Jahr erhobenen Forderungen umgesetzt worden sei. "Wir fordern weiter die Abschaffung der Kopfnoten und des dreigliedrigen Schulsystems", sagte Vorstandsmitglied Benedikt Haumer. Nach wie vor litten die Schulen unter Sparprogrammen und Lehrermangel.

FDP: Lieber studieren, als demonstrieren

Studenten in einem Hörsaal der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) (Foto: picture-alliance/ ZB) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Studenten in einem Hörsaal der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ]
Unter dem Motto "Dem System das Fürchten lehren" begann die Aktion im baden-württembergischen Stuttgart. Aber auch in anderen Städten des Bundeslandes gehen Schüler und Studenten auf die Straße. Die Grüne Jugend in Baden-Württemberg erklärte sich mit den Demonstranten solidarisch. Der Landesverband Liberaler Hochschulgruppen hatte die Studenten hingegen aufgerufen, Bildung nicht mehr als Gesellschaftskritik zu missbrauchen und lieber zu studieren. Der swr berichtet.

In Rheinland-Pfalz sind die Schüler und Studenten aufgerufen, sich am Nachmittag in Mainz zu einer Demonstration einzufinden. Der Protestmarsch durch die Innenstadt startet um 15.00 Uhr am Hauptbahnhof. Informationen gibt es beim swr.

Umstrittenes Gipfelziel: Mehr Geld für Bildung

Annette Schavan (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Will die Länder zu mehr Bildungsausgaben verpflichten: Bundesbildungsministerin Schavan ]
Beim morgigen dritten Gipfel beraten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über die künftige Bildungspolitik in Deutschland. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zeigte sich zuversichtlich, "dass der 10. Juni ein positives Signal für Bildung und Forschung aussenden wird". Sie möchte festlegen, dass Bund und Länder ab 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung ausgeben.

Ob die Ministerpräsidenten beim Festzurren der Zehn-Prozent-Marke mitziehen, ist jedoch unsicher. Vom scheidenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) war dies beispielsweise in Frage gestellt worden. Die Länderchefs fordern vom Bund einen größeren Anteil an der Gesamtsumme als die bisherigen 40 Prozent. Der Bildungs- und Forschungsetat war bei der Sparklausur des Kabinetts als einziger großer Posten von Kürzungen ausgenommen geblieben.

Der Bildungsforscher Klaus Klemm, der jetzt eine vom DGB beauftrage Bilanz des Bildungsgipfels von 2008 veröffentlichte, bezeichnete diesen Beschluss als längst überfällig. Nach seinen Berechnungen müssten aber mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich ins Bildungswesen fließen.

DGB beklagt "dramatische soziale Auslese"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) selbst sprach sich für einen Abschied vom bisherigen "zweitklassigen" Bildungssystem aus und forderte Reformen. Die Vorsitzende der DGB Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, sagte, eine "dramatische soziale Auslese, Hunderttausende ohne Schul- oder Berufsabschluss und ein zementiertes preußisches Schulsystem" seien unzeitgemäß.

Auftakt zu einer Woche Bildungsstreikaktionen

Die Proteste heute bilden den Auftakt für eine Woche verschiedenster Aktionen in den einzelnen Bundesländern zum Thema Widerstand gegen Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Für Samstag ruft das Netzwerk "Bildungsstreik" wieder zu einer bundesweiten Demonstration auf, die unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise" in Stuttgart stattfindet.

Stand: 09.06.2010 12:18 Uhr
 

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