Amazon Dot mit Alexa-Sprachassistent | Bildquelle: REUTERS

Negativpreis für Datensammeln Alexa als "Big Brother"

Stand: 20.04.2018 18:00 Uhr

Der "Big Brother Award" prangert Eingriffe in die Privatsphäre und Datensammelwut an. Zu den diesjährigen Preisträgern gehören neben den üblichen Verdächtigen auch solche, an die man nicht gleich denkt.

Er gehört nicht zu den beliebtesten Preisen für Behörden, Firmen und Institutionen: Datenschutz-Aktivisten des Vereins Digitalcourage prangern mit dem Negativpreis "Big Brother Award" exzessive Datensammlung und Verletzungen der Privatsphäre an.

Amazons intelligenter persoenlicher Assistent Alexa wird getestet. | Bildquelle: picture alliance / Frank Duenzl
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Alexa sammelt Sprachdaten aus ihrem Umfeld - wo sie landen, ist nicht wirklich geklärt.

Die Firma Amazon erhielt den Negativ-Preis in der Kategorie "Verbraucherschutz" für den Sprachassistenten "Alexa". Der Dienst zeichne nicht nur Sätze auf, sondern speichere die Aufnahmen in der Cloud, hieß es in der Begründung. Damit könnten diese Daten noch Monate später abgespielt werden.

Digitalcourage sieht bei ihr die Möglichkeit, Familienmitglieder oder Gäste im Haushalt zu überwachen. Und noch sei unklar, wer noch alles auf die in der Internet-Cloud gespeicherten Sprachaufnahmen zugreifen könne.

Windows 10 telefoniert nach Hause

Microsoft-Presskonferenz | Bildquelle: dpa
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Das Microsoft-Betriebssystem Windows 10 sendet Daten der Nutzer an die Hersteller.

Microsoft Deutschland wurde von der Jury dafür gerügt, dass über das Betriebssystem "Windows 10" Diagnosedaten des Computers an das Software-Unternehmen übermittelt werden. Die Übertragung lasse sich zum Teil gar nicht oder nur über komplizierte Einstellungen begrenzen, hieß es.

Microsoft, bereits 2002 Preisträger, wies den Vorwurf zurück: Dem Unternehmen komme es nicht auf die Abschöpfung der Kundendaten an, sondern es nutze die Telemetrie zur Verbesserung des Produkts.

Hessisches Verfassungsschutzgesetz in der Kritik

In der Rubrik Politik "gewannen" die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen im hessischen Landtag: Die Politikern hätten mit dem Entwurf für ein neues Verfassungsschutzgesetz mit einer Häufung von Überwachungsbefugnissen tief in die Grundrechte der Bevölkerung eingegriffen, hieß es in der Begründung.

Eine Softwarefirma aus Torgau wurde wegen eines Programms zum Management in Flüchtlingsunterkünften angeprangert. Kritisiert wurde zudem ein Unternehmen, deren App Arbeitgebern Informationen über Gesundheitszustand und Wohlbefinden der Mitarbeiter übermittle. Ein weiterer "Big Brother Award" ging an das Konzept mehrerer Firmen für sogenannte Smart-Cities-Konzepte für eine flächendeckend überwachte Stadt.

Kein neuer Preis für Facebook

Angesichts des aktuellen Facebook-Datenskandals verwies Digitalcourage darauf, dass der US-Konzern bereits im Jahr 2011 mit dem Negativ-Preis ausgezeichnet wurde. Das soziale Netzwerk sammele nicht nur massenweise Daten ihrer Nutzer, es mache das Freigeben privater Informationen zum Standard, hieß es bei der damaligen Preisvergabe. Die Kritik an dem sozialen Netzwerk sei nach wie vor aktuell, hieß es jetzt

Über dieses Thema berichtete NDR Info im Echo des Tages am 20. April 2018 um 18:30 Uhr.

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