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Das stichprobenweise Abgleichen mit dem Melderegister brachte es an den Tag: In Deutschland leben nicht so viele Menschen wie bisher offiziell angenommen. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass es rund 1,3 Millionen weniger und damit insgesamt nur etwa 80,9 Millionen sind.
Von Marcel Müller, tagesschau.de
Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass es rund 1,3 Millionen weniger Menschen in Deutschland gibt als bisher angenommen. Die Statistiker gehen nun von einer Einwohnerzahl von etwa 80,9 Millionen statt 82,2 Millionen aus. Die Zahlen legte das Amt in Berlin vor. Die Behörde geht von einer so genannten Überzeichnung aus. Das heißt, dass die 1,3 Millionen Menschen zwar in der amtlichen Statistik auftauchen. Tatsächlich gibt es sie aber gar nicht.
Verblüffendes Ergebnis
[Bildunterschrift: Die Statistiker müssen die Bevölkerungszahl für Deutschland nach unten korrigieren. ]
Das Problem ist den Statistikern vom Bundesamt offenbar schon länger bekannt. Zwischen 2001 und 2003 betrachteten sie deshalb die Bevölkerungszahlen genauer. Sie verglichen die Daten in den Melderegistern mit den Angaben aus einer Stichprobenbefragung von Haushalten. Das verblüffende Ergebnis: Hochgerechnet waren 3,2 Millionen Menschen potenziell zu viel erfasst – unter anderem aufgrund von Doppelmeldungen. Dagegen "fehlten" den Statistikern rund 1,6 Millionen Personen. Verrechnet man diese Werte miteinander und bezieht kleinere Abweichungen mit ein, ergibt dies 1,3 Millionen Einwohner, die nur auf dem Papier existieren.
"Temporäre Karteileichen"
"Meistens sind das temporäre Karteileichen", erklärt Bernd Michel, Mitarbeiter beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden, "von denen gibt es eine Menge." Sie entstehen zum Beispiel durch zeitweise Doppelmeldungen bei Umzügen.
Darüber hinaus kommt es auch immer wieder zu echten Karteileichen. Zum Beispiel dann, wenn Menschen ins Ausland ziehen ohne sich in Deutschland abzumelden. Oder etwa, wenn Verstorbene versehentlich angemeldet bleiben. "Diese Fälle dürfte es eigentlich nicht geben", klagt Bernd Michel, "aber wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht." Und die summieren sich: In ganz Deutschland gibt es rund 14.000 dezentrale Melderegister.
Dass diese Zahlen erst jetzt auf den Tisch kommen, liegt an Medienberichten, die das Thema aufgeworfen hatten. Sogar um vier Millionen sei die Bevölkerungszahl zu hoch geschätzt, hieß es teilweise. Diese Spekulationen wies das Statistische Bundesamt nun zurück.
"Verfahren mit Fehlerquellen"
"Seit mehr als 20 Jahren hat es keine Volkszählung mehr gegeben", klagt Sabine Bechtold, die zuständige Abteilungsleiterin des Amtes. Die heutigen Daten basieren noch auf den letzten Erhebungen, bei denen 1987 in der Bundesrepublik und 1981 in der DDR die Menschen gezählt wurden. Seitdem rechnen die Statistiker einfach weiter. Die alten Zahlen werden jedes Jahr mit den Geburten und den Sterbefällen aktualisiert. "Ein Verfahren, das eine ganze Reihe von Fehlerquellen hat", sagt Bechtold.
Genaue amtliche Bevölkerungszahlen wird es erst wieder nach dem "Zensus 2011" geben, einer EU-weiten Volkszählung. Mit ihr soll ermittelt werden, wie viele Menschen in einem Land leben, wie sie wohnen und wie arbeiten.
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