O2 | Bildquelle: Reuters

Telefonanbieter O2 in der Kritik Klagen über Klagen

Stand: 11.09.2017 13:32 Uhr

Wer im EU-Ausland telefoniert, soll nicht mehr bezahlen als zu Hause. Das hat die EU-Kommission vor drei Monaten beschlossen. Weil O2 das nicht automatisch umsetzt, klagt nun die Verbraucherzentrale. Ärger droht O2 auch von der Bundesnetzagentur.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat vor dem Landgericht München Klage gegen die Roaming-Praxis von O2 eingereicht, wie sie heute bekannt gab. Das bestätigte eine Sprecherin. Die Verbraucherschützer bemängeln, dass O2-Kunden erst dann vom Wegfall der Roaming-Kosten profitieren, wenn sie zuvor eine SMS an ihren Anbieter schicken. Das widerspricht allerdings der Idee des europäischen Gesetzgebers, EU-weit ohne zusätzliche Kosten zu telefonieren, zu surfen und SMS zu versenden.

Eine Frau telefoniert am Strand. | Bildquelle: dpa
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Beschwerden über die Hotline-Qualität von O2 mehren sich

"EU-Roaming gilt aus unserer Sicht automatisch und nicht erst, wenn Verbraucher ihren Telefonanbieter darum bitten", erklärte Heiko Dünkel, Rechtsreferent bei der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Wir sehen uns darin durch öffentliche Erklärungen der Europäischen Kommission bestätigt."

Immer mehr Beschwerden

O2 war in den vergangenen Wochen mehrfach in die Kritik geraten. Kunden beschwerten sich nicht nur darüber, dass sie erst eine SMS senden müssten, um im EU-Ausland kostenfrei telefonieren zu dürfen. Sie monierten auch die Servicequalität der Hotline von O2. Einen Anstieg der Beschwerden verzeichnete auch die Bundesnetzagentur. Seit Ende 2016 hätten sich vermehrt Kunden beschwert: "Die faktische Nichterreichbarkeit der Hotline hat zu einem deutlichen Anstieg der Warteschleifenbeschwerden geführt", heißt es in einem Brief der Bundesnetzagentur an die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, der tagesschau.de vorliegt. "Alleine 208 von 317 Beschwerden im Jahr 2017 beziehen sich auf Warteschleifen, die im Rahmen einer entsprechenden Kontaktaufnahme zur O2-Hotline auftraten", so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

In einer Stellungnahme erklärte O2, die Erreichbarkeit und die durchschnittlichen Wartezeiten in der Hotline hätten sich in den vergangenen Wochen und Monaten "sukzessive verbessert". Bei der Hotline-Erreichbarkeit für Mobilfunkkunden erziele O2 wieder durchschnittliche und branchenübliche Wartezeiten von wenigen Minuten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juli 2017 um 11:35 Uhr.

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