Frau vor Laptop | Bildquelle: imago/Westend61

Gesundheitsinfos im Netz "Dr. Google" - Risiken und Nebenwirkungen

Stand: 26.01.2018 16:59 Uhr

Mehr als die Hälfte der Deutschen sucht offenbar bei Gesundheitsfragen Hilfe im Netz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Doch zu erkennen, welche Seiten vertrauenswürdige Informationen liefern, fällt vielen Patienten schwer.

Von Alexandra Hostert, WDR

Vor dem Arztbesuch, nach dem Arztbesuch: Patienten suchen immer wieder Gesundheitsinformationen im Internet, die Hälfte der deutschen Netznutzer mindestens einmal im Monat. So lautet das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung, für die eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von 1074 Personen telefonisch befragt wurde. Zusätzlich führten Meinungsforscher mit je 18 Männern und Frauen zweistündige Tiefeninterviews.

Vom Lexikon bis zum Ratgeberportal

Nach dem Start der Google-Suche informierten sich die meisten Befragten auf Wikipedia oder in anderen Online-Lexika. 72 Prozent hatten diese beiden Angebote schon einmal genutzt. Knapp die Hälfte besuchten die Internetangebote von Krankenkassen. Seiten von Ärzten oder Reha-Einrichtungen wurden ebenfalls häufig aufgerufen. Aber auch Ratgeberportale wie "gutefrage.de" oder "wer-weiss-was" hatten knapp 40 Prozent der Befragten besucht.

Ein Mann informiert sich im Internet über Gesundheitsfragen. | Bildquelle: imago/epd
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Ein Mann informiert sich im Internet über Gesundheitsfragen.

Gute Informationen? Nicht immer

Nach der Bertelsmann-Studie ist rund die Hälfte der Nutzer meistens oder immer mit den gefundenen Informationen zufrieden. Doch die Studie offenbart auch, wo die Grenzen der Internetsuche liegen.

In den Tiefeninterviews hatte sich keine der befragten Personen Gedanken darüber gemacht, ob Onlineinformationen wissenschaftlich abgesichert oder interessengesteuert und werbefinanziert sind. Dabei sind Onlineinformationen mit viel Werbung, besonders für spezielle Heilmittel, oft unseriös.

Gute Seiten neben unseriösen Angeboten

Wie unterschiedlich die Qualität von Gesundheitsseiten im Internet ist, betonen auch Experten, die nicht an der Bertelsmann-Studie beteiligt sind. "Gute Internetseiten und absoluter Schund stehen in der Trefferliste von Google unter Umständen unmittelbar nebeneinander", sagt Dr. Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das werde in der Bertelsmann-Studie nicht deutlich genug herausgestellt.

Auch Gesundheitsökonomin Dr. Stephanie Stock vom Institut für Gesundheitsökonomie der Universität Köln warnt davor, Informationen aus dem Netz blind zu vertrauen: "Manchmal werden auf unseriösen Seiten auch Dinge empfohlen, die regelrecht schaden - zum Beispiel Kräutermischungen, die als natürlich angepriesen werden, tatsächlich aber mit Medikamenten versetzt sind und schwere Nebenwirkungen haben."

Skepsis ist angebracht

 "Wer sich im Netz informiert, sollte immer ein Bewusstsein dafür behalten, welcher Anbieter hinter den Informationen steckt und welche Interessen dieser Anbieter hat", rät Koch.

Seriöse Seiten im Netz erkennt man zum Beispiel daran, dass klar angeben wird, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Die Herausgeber legen offen, wie sie finanziert werden. Und sie verweisen auf wissenschaftliche Studien. Ein gutes Zeichen ist es auch, wenn man erfährt, dass es zu einer medizinischen Fragestellung verschiedene Meinungen gibt.

Doch diese guten Seiten in der Fülle des Internetangebots herauszufiltern, ist für Laien schwierig. "Es wäre gut, wenn Patienten im Netz einen einfachen, direkten Zugang zu guten Patienteninformationen bekämen, über ein nationales Gesundheitsportal", sagt deshalb Koch. "Das Bundesgesundheitsministerium hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen damit beauftragt, dafür ein Konzept zu entwickeln."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 26. Januar 2018 um 11:18 Uhr.

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