Ein Schild der Staatsanwaltschaft Berlin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Angebliche Vergewaltigung durch "Südländer" 13-Jährige war bei einem Bekannten

Stand: 29.01.2016 15:52 Uhr

Der Fall des angeblich entführten und vergewaltigten Mädchens hatte bis in hohe diplomatische Ebenen für Verstimmungen zwischen Russland und Deutschland gesorgt. Nun ist der Fall offenbar gelöst: Die 13-Jährige soll wegen Schulproblemen bei einem Bekannten gewesen sein.

Der Fall eines in Berlin vermeintlich entführten und vergewaltigen deutsch-russischen Mädchens ist offenbar aufgeklärt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft verbrachte die 13-Jährige die fragliche Nacht bei einem Bekannten. Das hätten rekonstruierte Daten aus einem Mobiltelefon ergeben, gab ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bekannt. "Es gibt keine Hinweise auf auf Sexualstraftaten in dem Zusammenhang."

"Sie wollte weg und hat bei ihm Unterschlupf gesucht", sagte der Sprecher. Laut seiner Auskunft hatte das Mädchen Schulprobleme und wollte deshalb nicht nach Hause. Eine verwertbare Aussage konnte die 13-Jährige bisher aber nicht machen.

Der 19-jährige Bekannte des Mädchens hat inzwischen zugegeben, dass das Mädchen in der Nacht vom 11. auf den 12. Januar bei ihm war. Der junge Mann lebt noch bei seiner Mutter, beide wurden befragt. Gegen den Mann werde nicht ermittelt, er sei nur ein Zeuge, so die Staatsanwaltschaft.

Russlands Außenminister schaltete sich ein

Die 13-Jährige war für 30 Stunden verschwunden. In Medienberichten - unter anderem im russischen Fernsehen - war danach über eine Entführung und Vergewaltigung die Rede gewesen.

Der Fall rief auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow auf den Plan. Er warf den deutschen Behörden vor, den Fall lange verheimlicht zu haben. Den wiederholten Erklärungen der Berliner Polizei, es gebe keine Hinweise auf eine Vergewaltigung, schenkte Lawrow ebenso wenig Glauben wie Zehntausende Internetnutzer, die in sozialen Netzwerken ihrer Wut Ausdruck verliehen. In mehreren deutschen Städten gab es Demonstrationen von russischstämmigen Menschen gegen eine vermeintliche Vertuschung.

Das russische Außenministerium kündigte ein Telefonat mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier an. Das Gespräch werde noch heute erfolgen, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2016 um 20:00 Uhr.

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