Flüchtlinge in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Brandenburg | Bildquelle: dpa

Folge der sinkenden Flüchtlingszahlen Viele Notunterkünfte stehen halb leer

Stand: 20.03.2016 11:59 Uhr

Dichtes Gedränge von Flüchtlingen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften - das gilt nur noch in wenigen Bundesländern. Einem Medienbericht zufolge sind die Belegungszahlen vielerorts stark gesunken. Das gilt vor allem für Ostdeutschland.

Die Folgen der sinkenden Zahlen neu ankommender Flüchtlinge zeigen sich inzwischen deutlich in vielen Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften der Bundesländer. Die "Welt am Sonntag" berichtete auf Basis einer eigenen Umfrage bei den Regierungen der 16 Bundesländer, dass viele Einrichtungen derzeit zumindest teilweise leer stünden. In Ostdeutschland seien die Unterkünfte stellenweise sogar nur zu 20 Prozent belegt.

Die Situation ist dem Bericht zufolge bundesweit jedoch sehr unterschiedlich. Während in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg die Unterkünfte weiterhin nahezu voll oder sogar überbelegt sind, liege die Belegungsquote in Thüringen mit 18,6 Prozent unter allen Ländern am geringsten. Dahinter folgt Sachsen mit rund 20 Prozent. In Brandenburg seien die Einrichtungen zu 44 Prozent gefüllt.

Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland stehen teilweise leer
tagesschau 13:15 Uhr, 20.03.2016, Claus Halstrup, NDR

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Viele Sporthallen wieder frei

Für die aktuelle Entwicklung gibt es mehrere Gründe. "Der tägliche Zustrom von Asylbewerbern ist in den letzten Wochen deutlich gesunken", teilte das niedersächsische Innenministerium mit. Ähnliches ist laut "Welt am Sonntag" aus vielen anderen Landesministerien zu hören. Aufgrund der geringeren Zahlen drosseln einige ostdeutsche Länder die Verteilung der Schutzsuchenden aus den Erstaufnahmeeinrichtungen an die Kommunen, hieß es weiter. Auf die Unterbringung in Turnhallen seien die Länder immer weniger angewiesen. In Sachsen sind demnach die Sporthallen in Leipzig, Dresden und Meißen wieder frei. In Hessen seien alle 23 vorübergehend als Massenunterkunft genutzten Hallen wieder für den Sport freigegeben worden.

Dass die Belegungsquoten in Ostdeutschland besonders niedrig sind, liegt einerseits an der Verteilung nach dem "Königsteiner Schlüssel", der unter Berücksichtigung von Steueraufkommen und Bevölkerungszahlen Quoten für die Länder festlegt. Weil in beiden Punkten die ostdeutschen Bundesländer unterdurchschnittlich abschneiden, werden ihnen auch weniger Flüchtlinge zugewiesen. Gleichzeitig machte der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka auch die "entspanntere Immobiliensituation" in den ostdeutschen Bundesländern für die geringeren Belegungszahlen verantwortlich. Aufgrund des vielfach vergleichsweise hohen Leerstands von Wohnungen falle es leichter, die Flüchtlinge längerfristig in den Kommunen unterzubringen.

Entwicklung der Flüchtlingszahlen in Deutschland seit September
MonatNeu registrierte Asylsuchende (EASY-System)Asylanträge
Februar 201661.42867.797
Januar 201691.67152.103
Dezember 2015127.32048.277
November 2015206.10157.816
Oktober 2015181.16654.877
September 2015163.77243.071
Quelle: BMI
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