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Der Bund des Vertriebenen (BdV) hat nach Recherchen der Nachrichtenagentur ddp weitaus weniger Mitglieder als bisher von Verbandsfunktionären behauptet. Eine Telefonumfrage der Nachrichtenagentur ddp bei sämtlichen Landesverbänden (mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns) ergab, dass unter dem Dach des BdV nur rund 550.000 Mitglieder organisiert sind. Offiziell hatten BdV-Vertreter bisher stets von mehr als zwei Millionen Vertriebenen gesprochen.
Matthias Stickler, Privatdozent an der Universität Würzburg und Experte in Vertriebenenfragen, nannte die Zahlen wenig überraschend. "Es mag zwar noch eine gewisse Dunkelziffer geben", sagte Stickler, aber die Daten deckten sich mit seinen Schätzungen: "Sie spiegeln das Aussterben der sogenannten Erlebnisgeneration wider."
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Im aktuellen Streit um die Besetzung der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" hatte die BdV-Spitze mehrfach auf Erwartungen von Millionen Heimatvertriebener hingewiesen. Die Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach (CDU) hatte in diesem Zusammenhang von 15 Millionen Menschen gesprochen. Damit stellt sie sich pauschal als Vertreterin aller Heimatvertriebenen und mehrerer Generationen von Nachkommen dar, egal ob die im BdV organisiert sind. Wirklich Mitglied in dem Verband sind dem Umfrageergebnis nach lediglich knapp vier Prozent der von Steinbach angeführten Zahl.
Verbandsfunktionäre betonten in ihren Antworten auf die ddp-Anfrage, dass sie die Mitgliedszahlen ihrer jeweiligen Landesverbände nur grob schätzen könnten. Die komplizierte BdV-Struktur mit Landesverbänden, teilweise parallel dazu organisierten Landsmannschaften, den jeweiligen Unterorganisationen und weiteren Sonderverbänden lasse präzisere Angaben kaum zu. Die Angaben der Landesverbände zu den bei ihnen organisierten BdV-Mitgliedern reichen von grob 230.000 in Nordrhein-Westfalen bis zu rund 500 im Saarland.
Steinbach verteidigte unterdessen ihre Bedingungen für den Verzicht auf einen Sitz in der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" verteidigt. "Es ist ein guter Weg der Vernunft", sagte sie im ZDF. Wenn dieser nicht gewünscht werde, müsse man sich nach den gesetzlichen Vorschriften richten. "Dann wird meine Benennung auf den Weg gebracht werden", sagte sie und fügte hinzu: "Das entspricht dem Gesetz". Ihr Verband könne sich eine "solche Bevormundung einfach nicht gefallen lassen".
Wenn ihr Vorschlag angenommen würde, bekäme der Stiftungsbeirat den Freiraum, den er eigentlich von Anfang an im Stiftungsgesetz hätte haben müssen, fuhr Steinbach fort. Es wäre hilfreich, wenn diese Einschnürungen des Gesetztes jetzt aufgelöst werden könnten. Die SPD habe damals eine andere Lösung nicht mitgetragen, so dass sich die Union entschlossen habe, diesen Weg mitzugehen.
Steinbach hatte vorgeschlagen, auf ihren Posten im Stiftungsbeirat zu verzichten, falls ihr Verband deutlich mehr Sitze erhält. Zudem forderte Steinbach ein Ende der "politischen Bevormundung" der Stiftung, eine Abkopplung vom Deutschen Historischen Museum und eine größere Fläche für das geplante Dokumentationszentrum.
FDP-Chef Guido Westerwelle hatte sich mit Blick auf die Beziehungen zu Polen gegen eine Berufung Steinbachs in den Beirat ausgesprochen. Die Union befürwortet dagegen Steinbachs Mitgliedschaft.
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