Dinosaurier des Jahres 2017

Bauernpräsident erhält Negativpreis

Stand: 28.12.2017 16:36 Uhr

Der "Dinosaurier des Jahres" ist eine Auszeichnung, die keiner haben will. Dieses Jahr geht der Negativpreis an den Bauernpräsidenten Joachim Rukwied. Er verharmlose konsequent alle Umweltprobleme, sagt der Naturschutzbund NABU.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, den "Dinosaurier des Jahres 2017" verliehen. Der DBV-Chef erhalte Deutschlands "peinlichsten Umweltpreis für seine rücksichtslose Blockade einer umweltfreundlichen Agrarreform", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke zur Begründung.

Rukwied verharmlose konsequent alle Umweltprobleme, für die die industrielle Landwirtschaft die Hauptverantwortung trage - wie etwa das drastische Insekten- und Vogelsterben durch den Einsatz von Herbiziden oder die durch Dünger verursachten hohen Nitratkonzentrationen im Grundwasser.

"Er verteidigt ein Subventionssystem, das nachweislich zulasten von Natur, Landwirten und Steuerzahlern geht und bekämpft regelmäßig alle Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltbilanz der Agrarpolitik", kritisierte Tschimpke. Der Bauernverband war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der NABU hat Bauernpräsident Joachim Rukwied mit dem "Dinosaurier des Jahres 2017" ausgezeichnet.

Nicht der erste Preis für Bauernverband

Der NABU hatte bereits im Jahr 2001 Rukwieds Vorgänger an der Bauernverbandsspitze, Gerhard Sonnleitner, den "Dinosaurier des Jahres" verliehen. Seither habe sich nichts verbessert, sagte Tschimpke. "Rukwied sagt wie Sonnleitner vor 16 Jahren: Wir brauchen keine Agrarwende."

Dabei habe sich seitdem der Zustand von Wiesen und Weiden dramatisch verschlechtert und die Bestände von Feldvögeln, wie Kiebitz und Feldlerche, befänden sich ungebremst im freien Fall.

Ex-Bauernpräsident Sonnleitner ist ehemaliger "Dinosaurier des Jahres".

Rüffel für Glyphosat

Da sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmid (CSU) wiederholt verhalte wie "der Pressesprecher des Bauernverbandes" könne er sich von dem Negativpreis gleich "mitgeehrt fühlen", sagte Tschimpke. Dabei sei Schmidts umstrittene Glyphosat-Entscheidung vom November nur die "Spitze des Eisbergs" gewesen. In der Politik sei die Union für die Lobby der industriellen Landwirtschaft der wichtigste Klientelpartner.

Mit seiner Lobbypolitik setze Rukwied auch die Zukunft vieler Bäuerinnen und Bauern aufs Spiel, warnte der NABU-Präsident. Von den milliardenschweren Agrarsubventionen der EU profitierten vor allem große Betriebe. In Deutschland bekämen weniger als zwei Prozent der Landwirtschaftsbetriebe ein Drittel der direkten Förderung.

Höfesterben auf breiter Flur

Im Ergebnis dieser Politik geht laut Tschimpke das Höfesterben weiter. Seit 1960 hätten 80 Prozent der Bauernhöfe ihre Arbeit aufgeben müssen, im Durchschnitt 9000 pro Jahr. Die von Rukwied vehement verteidigten Pauschalsubventionen pro Fläche seien nachweislich kein geeignetes Mittel, um das Höfesterben aufzuhalten.

Den Negativ-Preis an den Bauernpräsidenten will der NABU-Chef dabei ausdrücklich als Gesprächsangebot verstanden wissen. "Wir sind gesprächsbereit", betonte Tschimpke. Anders als mit seinem Vorgänger Sonnleitner habe es seit Rukwieds Amtsantritt 2012 noch kein Treffen mit dem NABU gegeben.