Einschätzung "Was hat den Verdächtigen getrieben?"

Stand: 29.07.2017 13:51 Uhr

Ein Anschlag oder doch die Tat eines verwirrten Einzeltäters? Das ist die Frage, die sich nach der Messerattacke in Hamburg stellt. ARD-Terrorismusexperte Michael Stempfle liefert Hintergründe und erklärt den Unterschied zwischen Islamisten und Dschihadisten.

tagesschau24: War das nun ein terroristischer Anschlag oder doch die Tat eines verwirrten Einzeltäters?

Michael Stempfle: Die Behörden konnten das noch nicht klären. Es ist von einer Mischform die Rede. Zum einen soll sich der Verdächtige religiös motiviert radikalisiert haben, auf der anderen Seite ist er offenbar aber auch psychisch sehr labil. Das sind zwei Faktoren die zusammenkommen.

Jetzt muss man schauen, was das auslösende Moment für die Tat war. Aber es ist schwer nachvollziehbar, was ihn bewegt hat - das verdeutlicht der Tathergang. Der Beschuldigte ist erst in den Laden gegangen, hat eingekauft und ist dann raus und in den Bus eingestiegen. Plötzlich ist er dann wieder aufgestanden und zurück in den Laden. Also, was hat ihn da getrieben?

Michael Stempfle, ARD Terrorismus-Experte, mit einer ersten Analyse
tagesschau24 13:00 Uhr, 29.07.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

ts24: Der Tatverdächtige wurde in den entsprechenden Dateien als Islamist geführt, aber nicht als Dschihadist. Was bedeutet diese Unterscheidung?

Stempfle: Als Islamist trägt er die Ideologie in sich. Das heißt, dass er unsere westliche, freiheitliche, demokratische Grundordnung ablehnen würde. Wenn er aber ein Dschihadist wäre, geht das deutlich weiter: Dabei handelt es sich um eine extremistische, militante Strömung. Sie ist durch Gewaltbereitschaft gekennzeichnet, um etwa Ziele wie einen islamischen Staat durchzusetzen und einen immer größer werdenden Machtbereich.

Aber genau das soll der Verdächtige nach Ansicht der Behörden nicht gewesen sein. Er soll aus Ihrer Sicht die Ideologie in sich getragen haben, wurde aber nicht als Gefährder kategorisiert.

ts24: Der Mann war ausreisepflichtig. Nun ist gerade heute das Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht in Kraft getreten. Hätte dieses konsequent umgesetzt die Tat verhindern können?

Stempfle: Es gibt sehr viele Aspekte bei diesem Gesetz. Es zielt zum Beispiel auf Gefährder ab - und der Verdächtige war gerade nicht als Gefährder eingestuft. Im Nachgang zum Fall Anis Amri wurde das Gesetz noch mal ausgearbeitet und auch gemeinsam in der großen Koalition umgesetzt. Zum Fall Amri gibt es nun deutliche Unterschiede. Der Beschuldigte von Hamburg hat mitgewirkt, dass die Papiere beschafft werden konnten. Die sollten ja laut Behörden bald eintreffen. Bei Amri war das sicherlich nicht so klar.

Mit dem neuen Gesetz könnte man einen Gefährder strenger an einem bestimmten Ort halten. Man könnte ihn stärker überwachen, etwa auch mit einer Fußfessel. Aber, ob das in diesem Fall des beschuldigten von Hamburg etwas gebracht hätte, ist im Moment schwer zu sagen. Ich glaube das nicht.

Die Fragen stellte Jan Malte Andresen, tagesschau24

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Juli 2017 um 13:00 Uhr.

Darstellung: