Fahndungsfoto al-Bakr | Bildquelle: Polizei Sachsen

Reisen von Terrorverdächtigem Al-Bakr Wohin? Warum? Mit welchem Geld?

Stand: 12.10.2016 20:56 Uhr

Die Untersuchungen im Fall Al-Bakr konzentrieren sich derzeit auf mögliche Türkei-Aufenthalte des 22-Jährigen. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass der Terrorverdächtige "schon in dieser Woche" einen Anschlag in Deutschland verüben wollte.

Im Fall Jaber Al-Bakr konzentrieren sich die Ermittlungen auf mögliche Türkei-Aufenthalte des 22-Jährigen. Die Reisetätigkeiten des unter Terrorverdacht Festgenommenen, "wie viele, wohin, warum, mit welchem Geld, mit welchen Reisedokumenten" würden derzeit untersucht, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Berlin. Spekuliert wird, ob sich Al-Bakr auch in einem syrischen Islamisten-Camp ausbilden ließ.

Nach Recherchen des MDR reiste Al-Bakr im Herbst vergangenen Jahres von Deutschland in die Türkei und von dort weiter nach Syrien. Das habe die Familie des 22-Jährigen mitgeteilt, berichtete das Magazin "Exakt". Laut "Spiegel TV" wählte sich Al-Bakrs Handy in der Türkei in das dortige Mobilfunknetz ein. Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von einem Aufenthalt Al-Bakrs im syrischen Idlib berichtet. Nach seiner Rückkehr aus der Türkei habe sich Al-Bakr verändert. Außerdem habe er eine große Menge Dollar-Noten bei sich gehabt.

Das Gebiet um Idlib im Nordwesten Syriens ist von Truppen des Assad-Regimes und der islamistischen Fatah-al-Scham-Front umkämpft. Die Miliz, die früher Al-Nusra-Front hieß, hatte sich im Sommer offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt. Der IS ist in dem Gebiet nicht aktiv.

Al-Bakr wollte offenbar diese Woche einen Anschlag verüben

Der Verfassungsschutz teilte derweil mit, Al-Bakr habe offenbar in dieser Woche eine Bombe in Deutschland zünden wollen. Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", seine Behörde habe den Eindruck gewonnen, "dass der Verdächtige schon in dieser Woche einen Anschlag verüben könnte".

Bereits 2015 überprüft - ohne Ergebnis

Ein Absperrband und ein Fahrzeug der Kriminaltechnik versperren den Zugang zu einem Haus im Stadtteil Paunsdorf in Leipzig. | Bildquelle: dpa
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Ein Absperrband und ein Fahrzeug der Kriminaltechnik versperren den Zugang zu einem Haus im Stadtteil Paunsdorf in Leipzig.

Al-Bakr wird verdächtigt, Angriffe auf Züge in Deutschland und auf Flughäfen in Berlin geplant zu haben. Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung in Chemnitz wurde hochexplosiver Sprengstoff gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 22-Jährige Verbindungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte. In der Nacht zum Montag war al-Bakr in Leipzig von Landsleuten, bei denen er offenbar übernachten wollte und die in ihm den gesuchten Verdächtigen erkannten, überwältigt und gefesselt worden. Danach informierten die Männer die Polizei, die al-Bakr schließlich festnahm.

Laut de Maizière war Al-Bakr bereits 2015 von den Sicherheitsbehörden überprüft. "Allerdings ohne Treffer. Es steht ja auch noch gar nicht fest, wann es dort zu einer Radikalisierung gekommen ist", sagte er. Inzwischen gebe es einen Datenaustausch der Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste auch mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 12. Oktober 2016 um 00:20 Uhr.

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