Mann steht auf einem Bahnsteig in Hamburg | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Streit um Bahnsteighöhen Teure Zentimeter

Stand: 12.01.2018 03:27 Uhr

Die Bahn wollte bundesweit alle Bahnsteige auf eine Höhe anpassen. Doch die Entscheidung steht jetzt wieder in Frage, denn die Anpassung hätte teure Umbauten zur Folge. Heute gibt es deshalb ein Krisentreffen.

Von Ingrid Bertram, WDR

In Mainz sind es 55 cm, in Leipzig auch, in Mülheim, Neuss und Hamminkeln in Nordrhein-Westfalen sind es 76 Zentimeter. Und dann gibt es noch Bahnsteige mit 33 Zentimeter, 38 Zentimeter oder gar 96 Zentimeter. Gemeint ist die Höhe vom Bahngleis bis zum Bahnsteig. Und die entscheidet zusammen mit der Einstiegshöhe der Züge für Behinderte darüber, ob sie beim Ein- und Aussteigen Hilfe benötigen oder nicht.

Da es so unterschiedliche Höhen gibt, wollen Bahn und Bund das jetzt vereinheitlichen, um alle Bahnhöfe barrierefrei zu machen. Eigentlich keine schlechte Idee. Nur die Frage ist, warum kommen sie jetzt erst darauf?

Streit um Höhe der Bahnsteigkante
nachtmagazin 00:20 Uhr, 23.08.2017, Jens Hölzig und Björn Menze, MDR

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Seit langem unterschiedliche Bahnsteighöhen

Immerhin gibt es seit 1904 die Eisenbahnbau- und Betriebsordnung, die eine Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern empfiehlt - allerdings nicht bindend war. Für die Fernzüge wurde diese Höhe in der Regel auch eingehalten. Bei den Regionalbahnen etablierte sich aber spätestens in den 1990er-Jahren eine neue Höhe: Viele Bundesländer entschieden sich dafür, die Bahnsteighöhe auf 55 Zentimeter festzulegen - angepasst auf die Doppelstockwagen, die damals vor allem auf Regionalstrecken eingeführt wurden. In den ostdeutschen Bundesländern waren schon zu DDR-Zeiten die Bahnhöfe auf diese Höhe ausgelegt.

2011 gossen dies die Deutsche Bahn und die Bundesländer sogar in eine Verordnung - nämlich in die Reform des Bahnsteighöhenkonzepts. Im Zuge der bundesweiten Sanierung der Bahnhöfe wollte man Ordnung und Barrierefreiheit erreichen. Daher einigte man sich auf 55 Zentimeter für Regionalbahnhöfe und 76 Zentimeter für Fernbahnhöfe. Folge: Bundesweit haben 37 Prozent aller Bahnsteige eine Höhe von 55 cm. In Thüringen sind es sogar 95 Prozent und in Rheinland-Pfalz 59 Prozent. Und die Züge sind dementsprechend darauf ausgerichtet - eben barrierefrei.

Unmut bei den Bundesländern

Barrierefreiheit - die will das Bundesverkehrsministerium auch. Um sie überall zu erreichen, sei "eine einheitliche Bahnsteighöhe ein wesentlicher Baustein". Deshalb sollen Bahnsteige auf 76 Zentimeter angeglichen werden, wenn sie ohnehin sanierungsbedürftig sind.

Doch das erste Arbeitstreffen heute könnte gleich zu einem Krisentreffen werden. Denn aus den Bundesländern ist viel Unmut zu hören. In Baden-Württemberg kostete zum Beispiel allein der Umbau der Bahnsteige in Pforzheim gerade erst 7,3 Millionen Euro. Bahnsteighöhe: 55 Zentimeter. Nur einige Stationen weiter in Mühlacker Höhe investierte man 4,2 Millionen Euro, ebenfalls für 55 Zentimeter. Geht es nach den Plänen des Bundes, würden die anderen Bahnhöfe auf derselben Strecke in den kommenden Jahren Bahnsteige mit 76 cm Höhe bekommen. Vorbei wäre es mit der Barrierefreiheit, denn die Züge sind nur auf eine Höhe ausgerichtet.

Zusatzkosten in Millionenhöhe

Ganz ähnlich sieht es in Rheinland-Pfalz aus: Seit 2014 fahren auf der Strecke Mainz - Alzey - Kirchheimbolanden neue Züge mit der Einstiegshöhe von 55 Zentimetern. Der Vertrag mit dem Verkehrsbetrieb läuft bis 2037. In der Zeit könnten aber nach den Plänen des Bundes die Bahnsteige schon erhöht werden. Deswegen ist die Empörung des Verkehrsministers aus Mainz, Volker Wissing, FDP, groß. Er fordert, dass das vereinbarte Konzept von 2011 weiter gelten sollte:

Volker Wissing | Bildquelle: picture alliance / Soeren Stache
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Kritisiert den Plan des Bundes: Volker Wissing, Verkehrsminister Rheinland-Pfalz

"Rheinland-Pfalz hat seither seine Hausaufgaben gemacht und weitestgehend Barrierefreiheit erreicht." Das neue Konzept des Bundes würde aber das Bundesland mehrere 100 Millionen Euro kosten. "Der Bund trifft hier gegen den Willen der Länder eine Regelung zu Lasten der Dritter."

Unterstützung bekommt Wissing auch aus Sachsen. Dort fordert Verkehrsminister Martin Dulig, SPD, dass die bisher getätigten Investitionen umfassend berücksichtigt werden sollten.

Bahn geht in Deckung

Nach so deutlicher Kritik geht vor dem ersten Treffen die Deutsche Bahn erst einmal in Deckung, hält sich mit Stellungnahmen zurück und verweist darauf, dass die Pläne schließlich vom Bund stammen. Und im Verkehrsministerium in Berlin versucht der Sprecher zu beschwichtigen: Schließlich ginge es jetzt erstmal darum, die richtigen Zielvereinbarungen festzusetzen und das ginge nur in Abstimmung mit den Ländern.

Aber der Wille ist es, eine bundesweit einheitliche Bahnsteighöhe zu erreichen. Bund und Länder stellen einen Topf von 160 Millionen Euro zur Verfügung, aus dem das finanziert werden könnte. Warum aber das Ministerium jetzt erst darauf kommt, die Bahnsteige zu vereinheitlichen, darauf gab es keine Antwort.

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin 23. August 2017 um 00:20 Uhr.

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