Bahnsignal | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Digitale Schiene" Bahn setzt auf Funk - und mehr Züge

Stand: 23.01.2018 15:14 Uhr

Funk statt fester Signale: Milliardenteure Leittechnik soll 400.000 Kilometer Kabel überflüssig machen und 20 Prozent mehr Zugverkehr ermöglichen. Zwischen Berlin und München ist die Technik bereits im Einsatz.

Die Bahn will ihre Züge in 10 bis 15 Jahren flächendeckend digital leiten. Dadurch sollen auf dem deutschen Schienennetz 20 Prozent mehr Züge fahren können. Auch Stellwerke und Weichen sollen mit Funktechnik gesteuert und überwacht werden.

Ein entsprechendes Programm mit Namen "Digitale Schiene Deutschland" hat jetzt Bahnchef Richard Lutz in Berlin vorgestellt. "Der Verkehr auf der Schiene wird stabiler, verlässlicher und damit pünktlicher", sagte Lutz.

Gemeinsamer Standard für Europa

Die neue Leittechnik basiert auf dem europäischen Leit- und Sicherungsstandard ETCS (European Train Control System), der die europaweit rund 20 verschiedenen Signalsysteme ersetzt. Für Neubaustrecken ist ETCS schon vorgeschrieben. "Diese Technik macht die rund 160.000 Signale und damit einen Großteil der 400.000 Kilometer Kabel überflüssig", sagt Lutz. Er verspricht einen "Riesensprung" für die Kunden.

Bereits im Einsatz ist die neue Technik auf der Strecke Berlin-München. Die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald hat die Fahrzeit zwischen beiden Städten von sechs Stunden auf 3:55 Stunden im Sprinter gesenkt. Allerdings hatten unter anderem Probleme mit ETCS die Züge zunächst ausgebremst, weil die Bahn Daten falsch eingegeben hatte.

Sonderzug der Deutschen Bahn fährt am 08.12.2017 am Hauptbahnhof in München ab. | Bildquelle: dpa
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Der neue ICE, der zwischen Berlin und München verkehrt, wird bereits mit ETCS geleitet.

Kosten des Programms nannte Lutz nicht. "Natürlich kostet das Geld, viel Geld", sagte er nur. "Darüber werden wir mit unserem Eigentümer reden." Der frühere Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer, hatte einmal von einer Investition von 20 bis 25 Milliarden Euro gesprochen. Einziger Bahn-Eigentümer ist der Bund.

Bahn erweitert Angebot

Ab Dezember 2018 will die Bahn mehr Sprinterzüge zwischen Berlin und München einsetzen. Pro Tag und Richtung sollen dann fünf statt drei Sprinter fahren, kündigte die Deutsche Bahn an. Damit gebe es auf der Strecke täglich 3000 zusätzliche Sitzplätze.

"Das abgelaufene Jahr war ein durchwachsenes Jahr für die DB", sagte Lutz. Die Konzernzahlen seien aber gut. "Wir haben uns hier erneut verbessert und werden unsere Ziele erreichen, teilweise auch etwas besser abschneiden", sagte der Vorstandschef.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Januar 2018 um 06:38 Uhr.

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