Straße in Prenzlauer Berg mit dem Berliner Fernsehturm im Hintergrund | Bildquelle: dpa

Wachstum von Stadtbäumen Schneller groß, aber früher tot

Stand: 13.11.2017 17:03 Uhr

Bäume wachsen in Städten schneller als auf dem Land, dafür altern sie aber auch früher. Forscher der Technischen Universität München beobachten dieses Phänomen weltweit seit mehr als 50 Jahren. Die Aufheizung in den Zentren sei schuld, so die Wissenschaftler.

Weil es in Großstädten wärmer ist als auf dem Land, werden Bäume dort in kürzerer Zeit groß. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität München. Die Wissenschaftler untersuchten das Wachstum von Stadtbäumen in aller Welt systematisch auf Folgen veränderter Umweltbedingungen. Das Phänomen sei seit den 1960er-Jahren zu beobachten, heißt es in der Untersuchung, die das Fachmagazin "Nature Scientific Reports" veröffentlichte.

Stadtbäume waren demnach weltweit bei gleichem Alter größer als Bäume auf dem Land: Im Alter von 50 Jahren betrug der Unterschied im Schnitt ein Viertel, bei 100 Jahren knapp ein Fünftel. Die Ursache sehen die Forscher im sogenannten Wärmeinseleffekt. Er führt in Stadtzentren zu einer stärkeren Aufheizung und höheren Temperaturen.

Die beiden Türme der Frauenkirche ragen in München über die herbstlich geschmückten Bäume im englischen Garten. | Bildquelle: dpa
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Die Wissenschaftler untersuchten weltweit typische Baumarten, darunter auch Bäume in München.

Stadtbäume altern schneller

Diese wiederum regen die photosynthetische Aktivität an, also die Erzeugung energiereicher Biomoleküle mithilfe von Lichtenergie in den Pflanzen. Zudem verlängern sie die Vegetationsperiode. Die Bäume können also übers Jahr gesehen länger wachsen.

Doch die höheren Temperaturen haben auch einen Nachteil. Stadtbäume altern offenbar schneller. Möglicherweise müssten Stadtverwaltungen deshalb künftig früher alte Bäume ersetzen, sagte Hans Pretzsch vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde.

1400 Bäume weltweit untersucht

Die Studie wurde vom bayerischen Umweltministerium und von der Audi Stiftung für Umwelt unterstützt. Forscher prüften etwa 1400 meist ausgewachsene Bäume. In jeder Stadt wurde eine typische Baumart gewählt und im Stadtzentrum und in der ländlichen Umgebung untersucht. Die Proben stammten von Baumkernen unter anderem aus Berlin, München, Paris, Brisbane, Kapstadt und Santiago de Chile.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 in der Sendung Leonardo am 14. November 2017 um 15:05 Uhr.

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