Zugunglück in Bad Aibling | Bildquelle: AP

Neue Erkenntnisse zum Zugunglück von Bad Aibling Zwei tragische Irrtümer

Stand: 29.03.2016 06:37 Uhr

Erst sendete er ein falsches Signal, dann drückte der Fahrdienstleiter die falsche Notruftaste: Nach neuen Erkenntnissen geht das Bahnunglück in Bad Aibling auf eine tragische Verkettung gleich mehrerer Irrtümer zurück.

Das schwere Zugunglück im bayerischen Bad Aibling ist nach Angaben der Landesregierung auf einen doppelten Irrtum des Fahrdienstleiters zurückzuführen. "Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der "Bild"-Zeitung.

Nachdem der Mann die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben hatte, sei ihm noch ein weiterer verhängnisvoller Fehler unterlaufen. Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen, schilderte Herrmann weiter. Er habe aber - "möglicherweise aus Aufregung" - die falsche Taste gedrückt.

Der Funkspruch ging deshalb an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Diese hätten sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter laut Herrmann einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. "Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät."

Zugunglück von Bad Aibling | Bildquelle: AP
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Die Zugstrecke bei Bad Aibling wird nur eingleisig befahren - am 9. Februar kam es hier zu einem Frontalzussamenstoß zweier Züge.

Eine "besonders tragische" Verkettung

Der Innenminister zog ein bitteres Fazit: "Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch." Nun laufe es auf eine Anklage des Fahrdienstleiters wegen fahrlässiger Tötung hinaus.

Alle technischen Defekte seien mittlerweile ausgeschlossen: Die Züge waren, so Herrmann, technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Das Funknetz habe funktioniert, ebenso alle Stellwerk-Funktionen.

Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim waren am 9. Februar elf Menschen ums Leben gekommen und 85 Passagiere teils lebensgefährlich verletzt worden. Das Bahnunglück gilt als eines der schwersten in der Geschichte der Bundesrepublik.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. März 2016 um 09:30 Uhr.

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