Martin Schulz | Bildquelle: dpa

Bericht aus Berlin Was tun gegen das "Wunder aus Würselen"?

Stand: 05.03.2017 02:07 Uhr

Mit SPD-Kanzlerkandidat Schulz hat die Union plötzlich einen Angstgegner. Bislang geben sich CDU und CSU zwar demonstrativ gelassen, doch hinter den Kulissen sucht man fieberhaft nach dem richtigen Rezept, um Schulz im Wahlkampf erfolgreich anzugreifen.

Von Oliver Köhr, ARD-Hauptstadtstudio

Es sind genau 536 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Berlin bis in die Kleinstadt Würselen. Ein Mann hat sie zu ungeahnter Berühmtheit gebracht: Der frühere Bürgermeister Martin Schulz. In der SPD feiern sie ihn wie einen Messias, er hat ihnen Umfragewerte beschert, von denen sie lange nicht mal zu träumen gewagt hatten.

Aber vielleicht findet sich in Würselen für die CDU auch ein Rezept gegen Schulz. Denn hier ist es der CDU vor fast 20 Jahren auch gelungen, Schulz in die Wüste zu schicken. Würselen hat mehr als 37.000 Einwohner und einer von ihnen kennt Schulz seit Jahren. Hans-Josef Bülles ist der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes. Er redet fast nur gut von Schulz, so gut, dass man sich fragt, warum er nicht in der SPD ist - bis er auf das Spaßbad von Würselen zu sprechen kommt und damit auf den Grund, weshalb die SPD wohl abgewählt wurde. Schulz hatte das Bad gegen den Willen der CDU durchgesetzt. Auch gegen den Willen vieler anderer in Würselen. Es wurde eine teure Entscheidung. Die Stadt zahlt heute noch die Rechnung dafür.

Die Sozis und das liebe Geld

So wollen sie in Würselen gegen den SPD-Kanzlerkandidaten kämpfen: auf die Fehlentscheidungen von Schulz hinweisen. Nach dem Motto: Die Sozis können ja nicht mit Geld umgehen. Ob das verfängt, ist unklar. Aber es ist zumindest eine Idee. Die scheint der Bundes-CDU noch zu fehlen.

Der erste Impuls war: Och, die Umfragewerte bei Steinbrück und Steinmeier gingen auch hoch, das gibt sich schon wieder. Hat nicht funktioniert. Dann wollten sie ihn beim ersten inhaltlichen Thema packen. Bei den Agenda 2010-Reformen. Hat auch nicht funktioniert. Von den kleinen Schmutzkampagnen ganz zu schweigen. Bisher hat der Generalsekretär auch keine plausible Strategie präsentieren können.

Lustlose Merkel, fröhlicher Schulz

Entsprechend nervös werden nun die ersten in CDU und CSU. Ganz schnell müsse man Schulz jetzt inhaltlich etwas entgegensetzen. Eine Steuerreform schlägt der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, vor. Noch konkreter wird der bayerische Finanzminister Markus Söder, der sagt gleich: Steuerentlastung. Aber ihre Parteichefs Merkel und Seehofer winken ab.

Für Aufbruchstimmung sollen jetzt die Generalsekretäre der Union sorgen. Ein Programm, Themen, vor allem aber: Ideen, wie eine noch lustlos wirkende Kanzlerin gegen den fröhlich wirkenden Kandidaten Schulz punkten kann. Bis es ein solches Konzept gibt, beruhigen sie sich damit, dass erst in sieben Monaten gewählt wird.

Mehr zu diesem Thema heute ab 18.30 Uhr im Bericht aus Berlin

Über dieses Thema berichtete der "Bericht aus Berlin" am 05. März 2017 um 18:30 Uhr.

Darstellung: