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09.02.2010

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Zentralrat der Juden boykottiert Holocaust-Gedenkfeier
Holocaust-Gedenken im Bundestag

Zentralrat der Juden boykottiert Gedenkfeier

Stephan Kramer (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland ]
Aus Verärgerung über frühere Veranstaltungen ist der Zentralrat der Juden in Deutschland der Veranstaltung des Bundestages zum Gedenken an die Opfer des Holocaust ferngeblieben. Führende Vertreter wie die amtierende Präsidentin Charlotte Knobloch und deren Vorgänger Ignatz Bubis und Paul Spiegel seien noch nie als Überlebende des Holocaust auf der Tribüne des Bundestags begrüßt worden, sagte der Generalsekretär des Zentralsrates, Kramer. "Ich hätte Verständnis, wenn wir über Vertreter der zweiten oder dritten Generation reden würden. Es ist aber ein Unding, dass Überlebende wie Zaungäste behandelt werden", sagte er der Agentur AP. Dieser Behandlung wolle man sich nicht mehr aussetzen.

Nach Angaben Kramers war der Zentralrat der Juden schon vor Jahren mit einer entsprechenden Bitte an den Bundestag herangetreten. Dieser Antrag sei jedoch mit der Antwort zurückgewiesen worden, dass das Protokoll einen solchen Programmpunkt nicht vorsehe, sagte Kramer der dpa. "Da frage ich mich: Wäre das nicht ein vernünftiges, ein gutes, ein sinnvolles Signal, wenn eben hier vom Protokoll Abstand genommen wird und die anwesenden Überlebenden, solange sie noch da sind, begrüßt werden?" Gegenüber AP sagte Kramer, da bei der Begrüßung auch andere Teilnehmer wie etwa die Musiker benannt würden, könnten auch die Vertreter des Zentralrats eingeschlossen werden.

Bundestag gedenkt der Opfer

Abgeordnete im Bundestag (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Würdige Gedenkstunden mit vielen Teilnehmern": Abgeordnete im Bundestag ]
Der Bundestag in Berlin gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte in seiner Rede, der diesjährige Holocaust-Gedenktag sei der Auftakt zu einer Reihe von wichtigen Gedenktagen, die die Errungenschaften und Brüche der wechselvollen deutschen Geschichte zeigten. Der Bundestag gedenke der Befreiung der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz, der ermordeten Juden und aller Opfer des Nationalsozialismus. Die Hauptrede zum Holocaust-Gedenktag hält Bundespräsident Horst Köhler.

Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Monika Griefahn, äußerte sich verwundert über die Absage des Zentralrats. "Wir haben in den letzten Jahren immer sehr würdige Gedenkstunden gehabt, auch mit sehr vielen Teilnehmern", sagte Griefahn im RBB- Inforadio.

Der 27. Januar war 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Holocaust-Opfer erklärt worden. Am 27. Januar 1945 war das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch alliierte Truppen befreit worden.

Kramer sieht wachsenden Antisemitismus

Kramer wies im Berliner "Tagesspiegel" zudem auf einen wachsenden Antisemitismus in Deutschland hin. "Es gibt eine fortschreitend um sich greifende Feindschaft gegen Juden, mehr und mehr auch in der Mitte der Gesellschaft", sagte er. Es sei zwar zu loben, dass in ganz Deutschland in vielen Veranstaltungen an den 64. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnert werde, sagte Kramer. "Doch wir mussten auch feststellen, dass während des Gaza-Krieges die Zahl der Hass-Mails an den Zentralrat um 40 Prozent auf 200 bis 300 pro Woche zugenommen hat." In einem Zehntel der Mails seien "explizite Morddrohungen gegen persönlich benannte Mitglieder des Zentralrats" ausgestoßen worden.

Stand: 27.01.2009 11:46 Uhr
 

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