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Simon Wiesenthal Zentrum setzt Journalisten auf Liste

Ist Jakob Augstein ein Antisemit?

Das Simon Wiesenthal Zentrum in Los Angeles hat vor Kurzem den deutschen Journalisten Jakob Augstein auf Platz 9 seiner jährlichen Liste der schlimmsten Antisemiten gesetzt. Ist Augstein mit seiner wiederkehrenden Israelkritik wirklich ein Antisemit oder nur ein kritischer Journalist?

Von Jan Tussing, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Jakob Augstein
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Auf der Liste der schlimmsten Antisemiten: Jakob Augstein

Rabbi Abraham Cooper arbeitet im Simon Wiesenthal Zentrum in Los Angeles und erstellt jedes Jahr die Liste der zehn schlimmsten Antisemiten weltweit. 2012 schaffte es der deutsche Verleger und Journalist Jakob Augstein auf Platz 9 - in einer Reihe mit den ägyptischen Muslimbrüdern und dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Bei Augstein handele es sich um einen wichtigen Spieler im deutschen Journalismus, der niemandem Rechenschaft ablegen müsse, erklärt Rabbi Cooper - und vielleicht sei das ja das Problem. Augstein müsse seine Texte niemandem vorlegen, bevor sie gedruckt werden.

Nennung Augsteins schlägt hohe Wogen in Deutschland

Das Simon Wiesenthal Zentrum in Los Angeles kämpft weltweit gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord und setzt sich für die Förderung von Toleranz ein. Die Stellungnahmen haben Gewicht und werden weltweit geachtet. Während in Deutschland die Nennung von Jakob Augstein als Antisemit zum Teil als überzogen gesehen wird und hohe Wogen schlägt, bleibt Rabbi Cooper hart: "Wenn jemand in dieser Position ein Bild zeichnet, wonach zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel, die ja auch eine religiöse Bevölkerung ist, von den Deutschen genauso gesehen werden sollten wie islamische Extremisten und Terroristen, dann ist das nicht nur komplett unrichtig und falsch, sondern dann überschreitet er die Grenze, was Dämonisierung angeht."

Legitime Kritik oder Diffamierung?

Rabbi Cooper zitiert dazu den israelischen Politiker und Menschenrechtsaktivisten Natan Sharansky: Antisemit ist jemand, der die Grenze der drei Ds überschreitet: Doppelter Standard, Dämonisierung, und Delegitimierung. Die Grenze zwischen legitimer Kritik und Diffamierung sei entscheidend: Wenn jemand sage, sorge dich nicht um eine iranische Atombombe, das ist keine Bedrohung, aber schau dir den jüdischen Staat an, da sind die Typen, die gefährlich sind - dann sei das zwar kein neuer Gedanke. Günter Grass habe das gleiche, nur eleganter, in seinen Gedichten gesagt, so Cooper. Aber so etwas als Deckmäntelchen zu nutzen, um die israelische Außenpolitik zu kritisieren, sei einfach Unsinn.

SWC setzt Jakob Augstein auf Antisemiten-Liste
J. Tussing, ARD Los Angeles
03.01.2013 05:15 Uhr

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Jakob Augstein ist der Sohn des renommierten "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein und selbst Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung "Freitag". Augstein schreibt auch bei "Spiegel online" regelmäßig seine Kolumne "Im Zweifel links". Hier habe er immer wieder gerne Israels Außen- und Innenpolitik kritisiert, schreibt die Berliner "tageszeitung" - und Gaza zum Beispiel mit einem Gefängnis verglichen. Rabbi Cooper sieht sich in seiner Kritik auch von dem deutschen Journalisten Henryk M. Broder bestätigt. Broder sei kein Experte in Sachen Augstein, erläutert Cooper, sondern er werde als Experte zum Thema Antisemitismus gesehen - weltweit.

Augstein sieht "kritischen Journalismus" diffamiert

Jakob Augstein selbst sieht sich nicht als Antisemit und hat sich auf seiner Facebook-Seite bereits geäußert. Er schreibt: Das Simon Wiesenthal Zentrum sei eine wichtige, international anerkannte Einrichtung, die seinen ganzen Respekt verdiene. "Um so betrüblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwächt wird. Das ist zwangsläufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird", so Augstein weiter.

Aber auch für Journalisten gebe es keinen Freifahrtschein, hält Rabbi Cooper dagegen. "Denn sie haben Macht, und Worte haben Wirkung." Und für ihn habe Augstein die Grenze der Kritik überschritten.

Dieser Beitrag lief am 3. Januar 2013 um 08:51 Uhr auf NDR Info.

Stand: 03.01.2013 09:23 Uhr

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