Linken-Politkerin Sahra Wagenknecht | Bildquelle: dpa

Attraktivität und Wahlen Schöne Politiker haben größere Chancen

Stand: 10.01.2018 22:15 Uhr

Sahra Wagenknecht und Christian Lindner waren die attraktivsten Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl. Das hat ein Düsseldorfer Forscher herausgefunden. An der Spitze seines Rankings landeten jedoch weniger prominente Gesichter.

Gut aussehende Politiker haben einer Studie zufolge größere Aussichten auf Erfolg bei Wahlen. Ein Vergleich von insgesamt 1786 weiblichen und männlichen Direkt- und Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl 2017 zeigt demnach: Im Extremfall kann ein sehr attraktiver Kandidat fünf Prozentpunkte mehr bei den Erststimmen gewinnen und bis zu drei Punkte bei den Zweitstimmen.

Das hat der Düsseldorfer Soziologieprofessor und Attraktivitätsforscher Ulrich Rosar herausgefunden. Auch die Wahlbeteiligung in einem Wahlkreis erhöhe sich, je attraktiver die Kandidaten im Durchschnitt sind. Rosar misst seit 2002 die Attraktivitätswerte von Bundestagskandidaten.

Schlusslicht Gauland

Am Anfang der Studie begutachteten zwölf Frauen und zwölf Männer als Testpersonen anonymisierte Fotos von zehn prominenten Spitzenkandidaten der SPD, CDU, CSU, FDP, Grünen, Linkspartei und AfD. Dabei landete Sahra Wagenknecht (Linke) als attraktivste Politikerin auf Platz eins. Sie kam auf der von 0 (sehr unattraktiv) bis 6 (sehr attraktiv) reichenden Skala auf einen Wert von etwa 4.

Zweiter wurde FDP-Chef Christian Lindner mit einem Wert von 3,4 und auf Platz drei lag Alice Weidel (AfD) mit 3,25 Punkten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt mit einem Wert von 1 auf Rang neun, SPD-Chef Martin Schulz mit 1,67 Punkten auf acht. Schlusslicht ist Alexander Gauland (AfD) mit nur 0,54 Punkten.

FDP-Chef Christian Lindner | Bildquelle: dpa
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Hinter Wagenknecht landeten FDP-Chef Christian Lindner...

AfD-Politikerin Alice Weidel | Bildquelle: dpa
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...und die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel.

Der bundesweit schönste Mann unter den Kandidaten ist laut der Studie Jan Ralf Nolte (AfD) aus dem hessischen Waldeck. Die schönste Kandidatin ist demnach Celine Erlenhofer, die für die Linke im Wahlkreis Dortmund II antrat. Trotz der relativ geringen Anzahl an Testpersonen ist die Studie den Wissenschaftlern zufolge aussagekräftig. Denn es gebe einen hohen Konsens darüber, ob Personen attraktiv seien oder nicht.

Attraktivität nicht die wichtigste Eigenschaft

Laut Rosars Studie liegt die Attraktivität bei der Wahlentscheidung aber noch hinter dem Bekanntheitsgrad und der Parteizugehörigkeit der Kandidaten. So bekam Erlenhofer in ihrem Wahlkreis auch nur 8,6 Prozent der Erststimmen, während die SPD-Kandidatin Sabine Poschmann deutlich das Direktmandat holte. Und auch Nolte verlor gegen die SPD-Kandidatin in Waldeck.

Linken-Politikerin Celine Erlenhofer | Bildquelle: dpa
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Linke-Politikerin Celine Erlenhofer wurde in der Studie zur schönsten Politikerin gewählt.

AfD-Politiker Jan Ralf Nolte | Bildquelle: dpa
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Schönster Politiker war für die Testpersonen Jan Ralf Nolte von der AfD.

Auch andere Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Faktoren wie Sachkompetenz, Glaubwürdigkeit und Führungsstärke bei Wahlen wichtiger seien als das Aussehen des Kandidaten. Es gebe außerdem viele weniger attraktive Politiker, die trotzdem erfolgreich sind oder waren. Rosar selbst sagt, er wolle mit der Studie vor allem dafür sensibilisieren, sich nicht vom Äußeren der Kandidaten beeinflussen zu lassen.

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