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In Russland lagern tausende Tonnen giftige Abfälle aus der Herstellung atomarer Brennelemente für deutsche Reaktoren. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Frankreich ebenfalls solche Abfallprodukte nach Russland schickt. Allerdings sind die deutschen Ausfuhren zehnmal größer.
Von Nora Binder für tagesschau.de
Die deutsche Atomindustrie lässt seit Mitte der 90er-Jahre große Mengen giftiger Abfälle aus der Herstellung von Brennelementen in Russland lagern. Die im westfälischen Gronau beheimatete Firma Urenco sagte tagesschau.de, dass sie insgesamt 27.300 Tonnen Uran aus Deutschland an die russische Firma Tenex geliefert habe. Dort werde das abgereicherte Uran so angereichert, dass es in Deutschland zu Brennelementen weiterverarbeitet werden kann. Allerdings verblieben 80 bis 90 Prozent der ursprünglich gelieferten Menge in Russland. Es lagern also bis zu 24.570 Tonnen bei Tenex - laut Umweltschützern ein höchst gefährliches Erbe der deutschen Atomindustrie.
Sprecher von Greenpeace und der Organisation "ausgestrahlt" sagten tagesschau.de, dass bei den Resten in Russland die schwer ätzende Flusssäure entstehen könne. Die Sorgen der Umweltschützer scheinen nicht unbegründet: Erst vor wenigen Tagen hatte der Fernsehsender ARTE darüber berichtet, dass bei Tenex ebensolches Material unsachgemäß gelagert werde. Unter freiem Himmel rotteten Container mit Uranhexafluorid vor sich hin. Wenn dieser Stoff mit Luft in Berührung kommt, kann Flusssäure entstehen.
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Der "ausgestrahlt"-Vertreter Jochen Stay sprach von verdeckter Atommüllverschickung ins Ausland. "Urenco will den deutschen Atommüll einfach loswerden." Das hieße: Der unliebsame Teil des Uranabfalls, mit dem bislang noch kein Gewinn zu machen ist, soll schleunigst raus aus Deutschland. Was aber die Russen damit machen oder eben nicht machen, das interessiere dann hierzulande niemanden mehr, so Stay.
In Frankreich hatte der gemeinsame Bericht von ARTE und der Zeitung "Libération" einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Demnach würden jedes Jahr 13 Prozent des französischen Abfallprodukts an Tenex geliefert. In absoluten Zahlen ausgedrückt: 108 Tonnen abgereicherten Urans gelangen so in die sibirische Stadt Sewersk, wo Tenex sein Werk hat.
[Bildunterschrift: Mehrmals im Jahr rollten Transporte von Gronau in Richtung Rotterdam, von wo aus das Uran nach Russland verschifft wird. ]
Die deutschen Lieferungen sind größer. Nach Urenco-Angaben wurden alleine in diesem Jahr 1570 Tonnen abgereichertes Uran nach Russland transportiert. Das ist mehr als die Hälfte, die alljährlich bei der Brennelementeherstellung hierzulande anfällt. Urenco verweist darauf, dass es sich bei den nach Russland gelieferten Stoffen nicht um Atommüll handele. Eine Ansicht, die auch vom Bundesumweltministerium geteilt wird - trotz der unbestrittenen Gefährlichkeit des Stoffes.
Die Verträge zwischen Urenco und Tenex liefen in diesem Jahr aus, da die Russen künftig kein Material aus Deutschland mehr verarbeiten würden, so das Unternehmen zu tagesschau.de. Im Jahr 2005 bewilligte das Bundesamt für Strahlenschutz den Ausbau der Anreicherungskapazitäten in Gronau. Demnach dürfen dort anstatt 1800 Tonnen jährlich künftig 4500 Tonnen Uran zu Brennelementen verarbeitet werden. Eine zweite Anlage werde derzeit zu diesem Zweck schrittweise in Betrieb genommen, im Jahr 2011 soll der Ausbau fertiggestellt sein.
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