Fass mit Atomsymbol vor dem Schacht Konrad

Entwurf des nationalen Entsorgungsplans Mehr Atommüll als bekannt

Stand: 18.11.2014 11:39 Uhr

Deutschland muss voraussichtlich deutlich mehr Atommüll entsorgen als bislang angenommen. Im Entwurf des "nationalen Entsorgungsplans", der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, ist allein für die Kategorie des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls eine Verdopplung im Vergleich zu bisherigen Prognosen zu erwarten.

Bisher existierte keine umfassende Zusammenfassung aller erwartbaren radioaktiven Abfälle in Deutschland, entsprechend wenig aussagekräftig waren die bisherigen Prognosen. In Fachkreisen war jedoch schon länger klar, dass die bisherigen Berechnungen von viel zu niedrigen Zahlen ausgegangen waren.

In dem Entwurf des Plans, den die Bundesregierung derzeit mit den Bundesländern abstimmt, geht der Bund demnach "von einer Gesamtmenge der zu entsorgenden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von rund 600.000 Kubikmetern" aus. Der "Schacht Konrad", der Nuklearabfälle mit geringer Wärmeentwicklung als Endlager aufnehmen soll, ist jedoch nur für 303.000 Kubikmeter genehmigt.

Reste aus Gronau gelten nun als Atommüll

alt Gabriele Kostorz

Einschätzung

"Die Bundesregierung setzt nun auf Ehrlichkeit und erfasst, wie viel radioaktiver Müll zur Endlagerung ansteht. Und das ist überfällig. Erst wenn klar ist, wie die groß die Menge an schwach-, mittel- und hochradioaktivem Müll ist, kann es überhaupt ein tragfähiges Gesamtkonzept zur Endlagerung geben. Vorgängerregierungen haben diese Bilanz, wahrlich kein Gewinnerthema, gescheut."

Gabi Kostorz, ARD Berlin

Der Entsorgungsplan bezieht nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau zum ersten Mal in die Berechnung des Atommülls mit ein. Dessen Betreiber Urenco lagert dort derzeit 13.000 Tonnen sogenannte Urantails, die bei der Anreicherung übrig blieben. Bislang galten diese als Wertstoffe, aus denen sich noch Kernbrennstoffe fertigen lassen. Der Bund rechnet in dem Entsorgungsplan nun mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung. Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das Salzbergwerk Asse II geräumt werden sollte. Dort lagern 126.000 Fässer Atommüll, die geborgen und neu verpackt werden sollen.

Erste positive Reaktionen kamen aus der Opposition: "Die ehrliche Einbeziehung der Urenco-Abfälle, die wir schon länger fordern, ist sehr positiv", sagte Sylvia Kotting-Uhl, die atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag. Für die Endlagersuche stellten nach Ansicht der Grünen die Urenco-Abfälle ein besonderes Problem dar: "Dass sie in unbegrenztem Ausmaß anfallen, schadet der Akzeptanz für die Endlagerfindung. In deren Interesse muss ein Betriebsende der Urananreicherung in Gronau angestrebt werden."

Darstellung: