Asyl:

Statistik des Innenministeriums Zahl der Asylsuchenden stark gesunken

Stand: 07.07.2017 17:08 Uhr

Immer weniger Menschen suchen in Deutschland Asyl. Laut Bundesinnenministerium waren es mit 90.000 im ersten Halbjahr 2017 nicht einmal halb so viele wie im Vergleichszeitraum im Vorjahr. Trotz des Rückgangs kam die Abarbeitung der Altfälle jedoch nur schleppend voran.

In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sind rund 90.000 neue Asylsuchende nach Deutschland gekommen. Das geht aus der aktuellen Asylstatistik hervor, die das Bundesinnenministerium in Berlin vorstellte. Damit ist die Zahl neu ankommender Flüchtlinge stark gesunken. Im ersten Halbjahr 2016 kamen noch etwa doppelt so viele Schutzsuchende nach Deutschland.

Im Juni dieses Jahres wurden etwa 12.400 neue Flüchtlinge registriert, im Mai waren es noch knapp 15.000. Hauptherkunftsländer neu angekommener Flüchtlinge waren auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wieder Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea.

De Maizière lobt BAMF-Mitarbeiter

Die Abarbeitung der vielen Asylanträge kam beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) trotz des Rückgangs aber nur schleppend voran. Entschieden hat das BAMF im ersten Halbjahr über mehr als 400.000 Anträge. Der Antragsberg, der seit der großen Fluchtbewegung ab 2015 aufgelaufen war, ist damit weiter abgebaut worden. Ende Juni gab es aber noch knapp 147.000 unerledigte Verfahren. Ursprünglich hatte das Amt jedoch angestrebt, bis zum Frühsommer alle Altfälle abzuarbeiten.

Dennoch lobte Bundesinnenminister Thomas de Maizière das BAMF für dessen "beachtliche Leistung" bei der Bewältigung des Antragsstaus. Er sagte, das Bundesamt habe im ersten Halbjahr so viele Asyl-Entscheidungen getroffen wie nie zuvor innerhalb von sechs Monaten. Nach dem Abbau anhängiger Verfahren liege ein Schwerpunkt darauf, die Qualitätssicherung voranzutreiben, sagte er.

Das Bundesamt für Migration | Bildquelle: dpa
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Das Bundesamt für Migration in Nürnberg. Im ersten Halbjahr hat das Amt über mehr als 400.000 Anträge entschieden.

Kritiker beklagen mangelnde Sorgfalt

Allerdings beklagen Kritiker eine mangelnde Sorgfalt der BAMF-Mitarbeiter durch den hohen Zeitdruck. In den vergangenen Monaten waren enorme Defizite bei der Bearbeitung und Entscheidung von Asylanträgen ans Licht gekommen. Dazu kamen die drastischen Pannen im Asylverfahren des terrorverdächtigen Bundeswehrsoldaten Franco A. Nun soll das Bundesamt bis zu 100.000 Fälle, in denen Männer aus bestimmten Ländern positive Bescheide bekommen haben, noch einmal überprüfen.

In den von Mitarbeitern des Bundesamts im ersten Halbjahr entschiedenen Fällen erhielten die Antragsteller in 21 Prozent der Fälle einen Flüchtlingsstatus. Weitere 17 Prozent bekamen den untergeordneten subsidiären Schutz, der zunächst nur für ein Jahr gilt und den Familiennachzug ausschließt. In sieben Prozent der Fälle wurden Abschiebeverbote festgestellt. 39 Prozent der Anträge wurden abgelehnt, der Rest anderweitig erledigt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juli 2017 um 21:43 Uhr.

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