Armut in Deutschland | Bildquelle: dpa

Neuer Armutsbericht Viel Armut - trotz guter Wirtschaftslage

Stand: 23.02.2016 15:54 Uhr

Die Armut in Deutschland ist 2014 leicht gesunken ist, bleibt aber auf hohem Niveau - trotz guter Wirtschaftsentwicklung. Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor. Eine Gruppe und ein Bundesland sind besonders betroffen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Die positive Nachricht lautet: Die Zahl der armen Menschen in Deutschland ist leicht gesunken, um 0,1 Prozent. Der Negativtrend der vergangenen Jahre hat sich damit nicht fortgesetzt: "Ob er tatsächlich beendet ist oder ob es sich sogar um den Beginn einer Trendwende handelt, werden allerdings erst die nächsten Jahre zeigen können", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. 12,5 Millionen Menschen sind in Deutschland arm. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens hat.

In der Entwicklung der Armut gibt es große regionale Unterschiede: Im Norden hat sich die Situation fast durchweg verbessert. "Gerade Länder mit sehr hohen Armutsquoten zeigen dabei die signifikantesten Rückgänge. Bremen mit 0,5 Prozentpunkten, Mecklenburg-Vorpommern mit 2,3 Prozentpunkten Rückgang", sagt Schneider weiter.

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Neuer Armutsbericht des Wohlfahrtsverbandes: 12,5 Millionen Menschen sind in Deutschland arm.

"Problemzone" Ruhrgebiet

Aber auch in Hamburg (-1,3 Prozent), Niedersachsen (-0,3 Prozent) und Schleswig-Holstein (-0,2 Prozent) ist die Armut im Berichtsjahr 2014 leicht zurückgegangen. Die größten Probleme in Deutschland gebe es in Nordrhein-Westfalen, betont Schneider: "In keinem anderen Bundesland ist die Armut in diesem Zeitraum auch nur annähernd so stark gewachsen."

Die Ursache für die Probleme des einwohnerstärksten Bundeslandes ist vor allem die Situation im Ruhrgebiet: "Das Ruhrgebiet hat 2014 erstmalig die 20-Prozent-Marke erreicht. Jeder fünfte Einwohner dieses mit fünf Millionen größten Ballungsraums Deutschlands muss mittlerweile zu den Armen gezählt werden. Das Ruhrgebiet bleibt damit die armutspolitische Problemregion Nummer Eins in Deutschland."

Vor allem die Situation in den großen Städten sei besorgniserregend. In Duisburg oder Dortmund lebt jedes dritte Kind von Hartz IV, in Gelsenkirchen sogar jedes zweite Kind.

Grundsätzlich sind in Deutschland neben Arbeitslosen und Ausländern vor allem kinderreiche Familien und Alleinerziehende von Armut betroffen. Es sei bedenklich, so der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, dass die positive Wirtschaftsentwicklung an kinderreichen Familien fast völlig vorbeigeht: "Faktisch ist es so, dass die Armutsquote bei Kindern und Jugendlichen seit den 2000er-Jahren kontinuierlich hoch ist und trotz aller, auch robuster, Konjunkturlagen, diese keine Auswirkungen faktisch auf die Lebenslagen von Familien mit armen Kindern hatte."

Fast 13 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsschwelle
tagesschau 20:00 Uhr, 23.02.2016, Tina Rohowski, ARD Berlin

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Immer mehr Rentner unterhalb der Armutsgrenze

Ein weiterer bedenklicher Trend laut Armutsbericht ist: Immer mehr Rentner leben unterhalb der Armutsgrenze. In den vergangenen zehn Jahren ist die Armut unter Rentnern zehnmal so schnell angestiegen wie im Rest der Bevölkerung. Dies, so Schneider, sei wahrscheinlich nur der Anfang einer höchst bedrohlichen Entwicklung: "Was wir heute in der Statistik sehen, sind lediglich die Vorboten einer Lawine der Altersarmut, die in den nächsten zehn Jahren auf uns zurollen wird, wenn wir nicht politisch ganz vehement gegensteuern."

Hohe Flüchtlingszahl nur geringe Auswirkungen

Die hohe Zahl der Flüchtlinge wird sich nach Einschätzung Schneiders in den kommenden Jahren nur geringfügig auf die Armutssituation in Deutschland auswirken. Auch im schlimmsten Fall, wenn alle im vergangenen Jahr angekommenen eine Million Flüchtlinge arm bleiben sollten, würde sich, so Schneider, die derzeitige Armutsquote in Deutschland nur maximal um einen Prozentpunkt erhöhen.

Armutsbericht: Mehr arme Rentner, aber positiver Trend im Norden

23.02.2016 15:40 Uhr

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