Universitätsabsolventen | Bildquelle: picture alliance / Ulrich Baumga

Video-Kampagne "Erste an der Uni" Geschichten von solchen, die sich trauten

Stand: 26.10.2015 18:23 Uhr

Studieren wollen, obwohl die Eltern nicht auf der Uni waren - kein leichtes Vorhaben. Aber nicht unmöglich, meinen die Initiatoren von Arbeiterkind.de. Mit ihrer Kampagne wollen sie Mut machen. In Videos erzählen Prominente ihre Geschichte.

Von Jana Klimczak, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Die Bundesminister Johanna Wanka und Sigmar Gabriel oder auch Airbus-Chef Thomas Enders sowie viele andere Bekannte aus Politik und Wirtschaft. Sie alle haben sich getraut und als erste in ihrer Familie studiert. In kurzen Videos berichten sie ganz persönlich von ihren Träumen und Ängsten.

SPD-Chef Sigmar Gabriel | Bildquelle: AP
galerie

Eine Lehrerin wollte ihn sogar auf die Sonderschule schicken. Heute ist Gabriel Vize-Kanzler und Wirtschaftsminister.

Sigmar Gabriel spricht zum Beispiel von seinen Problemen in der Schule: "Ich weiß noch, wie das war, als ich zehn Jahre alt war, so in der fünften Klasse, und durch die Familienverhältnisse ein bisschen durch den Wind. Dass es sogar eine Lehrerin gab, die meinte, ich sei besser auf der Sonderschule aufgehoben."

Probleme gibt es aber nicht nur in der Schule. Auch der Einstieg ins Uni-Leben ist schwer, wenn die Eltern nicht helfen können. Davon berichtet Özlem Topçu in ihrem Video. Ihre Eltern waren sogenannte Gastarbeiter. Sie ist heute Redakteurin bei der "Zeit". "Bis zu diesem ersten Tag wusste ich noch nicht mal ganz genau, was ein Seminar ist, wie das genau abläuft, dass man da völlig auf sich selbst gestellt seinen ganzen Tag und sein Stundenplan, alles selber organisieren muss."

Geschichten sollen Mut machen

"Die Geschichten sollen Jugendlichen aus nicht-akademischen Familien Mut machen. Ihr seid nicht allein! Wir kennen eure Probleme! Und ja, auch wir haben es geschafft!", sagt Katja Urbatsch - die Gründerin der Initiative Arbeiterkind.de. "Was wir damit erreichen wollen, ist, dass wir das Thema stärker nach vorne stellen. Was heißt es eigentlich als Erster in der Familie zu studieren, welche Hürden gibt es? Und wir wollen natürlich auch Vorbilder zeigen."

Urbatsch erzählt auch ihre eigene Geschichte. Sie hat selbst als erste in ihrer Familie studiert und kennt die Probleme: "Gerade in den ersten Semestern war es natürlich ein Kulturschock, weil es eine Umstellung war und ich nicht verstanden habe: Was wollen die eigentlich von mir, wie muss so eine Hausarbeit aussehen, wie muss so ein Referat aussehen? Und da hätte ich mir schon gewünscht, dass es schneller geht, dass ich andere Leute treffe, die wissen, wie es ist, als Erste in der Familie zu studieren. Und deshalb habe ich das ja auch gegründet, damit andere es leichter haben."

Die Initiative Arbeiterkind.de bietet ein Informationspaket im Internet zu Themen wie Studienwahl, Finanzierung oder Auslandssemester. Außerdem kümmern sich mittlerweile etwa 6000 ehrenamtliche Mitarbeiter in ganz Deutschland um Stammtische und Sprechstunden. Urbatsch findet es schade, dass Deutschland bis jetzt noch so viel Potential verschenkt: "Dass da so viele junge Menschen sind, die richtig was auf dem Kasten haben, die studieren möchten, sich aber nicht trauen - diese Potenziale möchte ich gerne heben."

Die aktuelle Videokampagne soll dabei helfen. 17 Videos werden schon online verbreitet. Sie sollen aber nicht die einzigen bleiben. Alle sind dazu aufgerufen, selbst ein Video zu machen, ihre eigene Bildungsgeschichte zu erzählen und Vorbild zu werden.

Erste an der Uni - Videokampagne mit Gabriel und Wanka
J. Klimczak, ARD Berlin
26.10.2015 17:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: