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29.05.2012

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BUND fordert reduzierten Einsatz von Antibiotika
Belastetes Hähnchenfleisch: BUND sieht Aigner in der Pflicht
Belastetes Hähnchenfleisch

BUND fordert reduzierten Einsatz von Antibiotika

Es ist nicht besonders appetitlich, was der Bund für Umwelt und Naturschutz da ans Tageslicht befördert hat: Eine Studie ergab, dass Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt häufig mit Krankheitskeimen belastet ist, die auch noch gegen Antibiotika resistent sind. Die Geflügelwirtschaft warnt vor "purer Angstmache", denn die Studie sei nicht repräsentativ. Der BUND fordert dennoch die Politik zum Handeln auf.

Von Uwe Jahn, MDR

Insgesamt 20 Proben Hähnchenfleisch aus den Supermarktregalen von Edeka, Netto, Lidl, Penny und REWE hat der BUND untersucht. Das Ergebnis klingt unappetitlich: Mehr als die Hälfte ist nach dieser Stichprobe mit Antibiotika-resistenten Krankheitskeimen belastet. Wie es dazu kommt, erklärt Reinhild Benning, Agrarexpertin vom BUND: "In mehr als 80 Prozent der Geflügelbetriebe werden Antibiotika eingesetzt. Wir deuten das als einen systematischen Einsatz und haben jetzt nachgeschaut: Was kommt davon beim Verbraucher an?"

Fleischtheke mit Sonderangeboten in einem Supermarkt (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bei Hähnchenfleisch ist Hygiene geboten. ]
Das Ergebnis: Es kommt eine Menge beim Verbraucher an. Denn es gibt Studien, die eine noch höhere Belastung von Hähnchenfleisch nachweisen. Stellt sich die Frage: Wie gefährlich sind diese Antibiotika-resistenten Keime für den Menschen? Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hält die Keime für ungefährlich. Die Experten auf Seiten des BUND sind anderer Meinung: Sie sehen darin ein Einfallstor für Resistenzen - auch weil die Tiere teilweise mit denselben Medikamenten behandelt werden wie Menschen.

15.000 Todesopfer wegen Antibiotika-Resistenzen

Zum Thema Antibiotika-Resistenzen gibt es bedrohliche Zahlen: 15.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland, weil ihnen mit Medikamenten nicht mehr geholfen werden kann. Der Grund: Sie haben sich mit Antibiotika-resistenten Krankheitserregern infiziert - beispielsweise über die Nahrung. Zwar lassen sich Keime durch Kochen und Braten abtöten. Vorsicht ist dennoch geboten, wie Katrin Birkel vom BUND erklärt: "Wenn Sie Hühnchenfleisch auf einem Schneidebrett verarbeiten und schneiden danach auf demselben Brett eine Gurke, dann haben Sie die Keime auf der Gurke und verzehren sie dann roh mit, weil Sie eine Gurke eben nicht erhitzen würden."

Der Grund für die Belastung des Hähnchenfleischs liegt nach BUND-Lesart in der Massentierhaltung: Bei bis zu 24 Hühnern auf einem Quadratmeter komme es zwangsläufig zu Krankheitsübertragungen. Zum Vergleich: In Bio-Betrieben hat jedes Tier mehr als doppelt so viel Platz. Der BUND fordert deshalb, nicht mehr die Massentierhaltung, sondern artgerecht arbeitende Landwirtschaftsbetriebe zu fördern.

Auflagen für Lieferanten gefordert

Zusätzlich müsse der Handel den Lieferanten Auflagen machen. Und schließlich solle Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner von der CSU in ihrem neuen Arzneimittelgesetz festschreiben, dass und wie der Einsatz von Antibiotika zu reduzieren ist. Dabei steht auch das bisherige Vorgehen der Tierärzte in der Kritik. Nach Ansicht von Benning müssen Tierärzte verpflichtet werden, einen Test vorzunehmen, bevor sie ein Medikament verschreiben. "Sie sollen also den Keim genau ermitteln anstatt mit Breitband-Antibiotika zuzuschlagen und damit Resistenzen heranzuzüchten", so Benning weiter. "Dieser Test muss genommen und dokumentiert werden. Das ist bisher keine Pflicht."

Aigner will noch diese Woche den Entwurf für ihr neues Arzneimittelgesetz vorlegen. Wie streng die Auflagen darin sein werden, ist allerdings noch nicht bekannt.

Stand: 09.01.2012 15:20 Uhr
 

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