ARD-Reporterin antisemitisch beleidigt Der Volksverhetzer im Nobelviertel

Stand: 19.01.2016 08:55 Uhr

Von Tamara Anthony, NDR

Ich war Samstagnacht mit einer kleinen Gruppe von Leuten in Pöseldorf, im feinsten Viertel Hamburgs, unterwegs. Ich bin über das Geschehen dort so entsetzt, dass ich es teilen will. Mir hat ein Typ ins Gesicht gesagt, dass Juden in die Gaskammer sollen. Als ich ihm sagte, dass ich Jüdin bin und also er mich ermorden will, meinte er "In dem Fall: Ja!"

In diesem Augenblick war ich einfach nur geschockt und unendlich wütend. Er wollte mir Angst einjagen. Ich sollte die Flucht ergreifen und das Lokal verlassen. Das fand ich unerträglich. Ich wollte auf jeden Fall bleiben und zusehen, dass er gehen muss! Das Schwierige war, dass die Umstehenden, die den Inhalt der Auseinandersetzung wegen der Lautstärke im Lokal zunächst nicht mitbekommen hatten, vor allem den Impuls hatten, den Streit zu schlichten. Nach dem Motto: Hey, es lohnt sich nicht, sich über so jemanden aufzuregen.

Nur einer meiner Freunde hatte die Aussagen von Beginn an mitbekommen. Und er war sehr hartnäckig im Versuch, den Rassisten zu vertreiben. Und damit waren wir zu zweit. Wäre der Volksverhetzer ein Skinhead gewesen, wäre Feind-Freund-Schema für alle in der Kneipe schneller klar. So haben sich einfach drei zivilisiert erscheinende Leute gegenseitig angeschrien. Ich war auch so wütend, weil dieser Volksverhetzer fein angezogen war - und er sprach mit der Arroganz von "Ich-verkörpere-die-Mehrheitsmeinung".

Nächstes Mal würde ich gleich die Polizei anrufen, damit diese Person ganz offiziell geächtet wird - mit allen Konsequenzen für sein künftiges Leben. Und hoffentlich gibt es immer solche Leute wie einen meiner Begleiter, die Paroli bieten. Denn sonst haben sich Volksverhetzer durchgesetzt und Antisemitismus ist salonfähig.

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