Polizisten betreten ein Gebäude in Schwerin.  | Bildquelle: REUTERS

Festnahme eines Syrers in Schwerin Entscheidung über Haftbefehl

Stand: 01.11.2017 13:56 Uhr

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft wollte er bei einem Anschlag möglichst viele Menschen töten und verletzen - der unter Terrorverdacht in Schwerin festgenommene Syrer wird zurzeit dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der 19-Jährige war 2015 als Flüchtling eingereist.

Einen Tag nach der Festnahme eines jungen Syrers in Schwerin wegen Terrorverdachts ist dieser dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshof vorgeführt worden. Er muss entscheiden, ob Haftbefehl erlassen und Untersuchungshaft angeordnet wird.

Spezialkräfte der Polizei hatten den unter Terrorverdacht stehenden 19-Jährigen in Schwerin festgenommen und damit nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen "schweren Terroranschlag in Deutschland" verhindert. Der Syrer soll seit Juli einen "islamistisch motivierten Anschlag mit hochexplosivem Sprengstoff" geplant und bereits konkret vorbereitet haben, erklärte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Der Mann sei im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Das teilte Landesinnenminister Lorenz Caffier mit. Er habe im Februar 2016 in Mecklenburg-Vorpommern einen Asylantrag gestellt. Seit April 2016 sei er im Besitz einer befristeten Aufenthaltserlaubnis gewesen und habe subsidiären Schutz gehabt. Bisher sei der Syrer nicht auffällig gewesen.

Mutmaßlicher Terrorverdächtiger in Schwerin festgenommen
Morgenmagazin , 01.11.2017, Marcus Overmann, ARD Berlin

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Kontakt zum "Islamischen Staat"

Ziel seines Plans sei es gewesen, möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen. Yamen A. habe über das Internet auch Kontakt zu einer Person gehabt, die sich selbst als "Soldat des Kalifats", also als Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), bezeichnete.

"Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er den Festgenommenen in seinen Plänen bestärkt hat", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Deshalb werde gegen den Syrer zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Zutaten für hochexplosiven Sprengsatz TATP

Yamen A. hatte sich Bauteile und Chemikalien zur Herstellung des Sprengstoffs TATP beschafft. Nach Einschätzung von Experten erlauben die bisherigen Erkenntnisse Rückschlüsse auf einen "Sprengsatz mit hoher Wirkladung". Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für den Anschlag ausgesucht hatte, ist noch unklar.

Frank Bräutigam, SWR, mit Einzelheiten zur Verhaftung des Terrorverdächtigen
tagesschau 16:00 Uhr, 31.10.2017

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Mehrere Wohnungen durchsucht

Yamen A. wurde durch Spezialkräfte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes festgenommen. Bei dem Anti-Terror-Einsatz seien zeitgleich drei Wohnungen in einer Plattenbau-Siedlung im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf durchsucht worden, wie die Schweriner Polizei mitteilte.

Rund um die Uhr überwacht

Aufgrund von Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes und des Bundeskriminalamts (BKA) sei am 21. Oktober ein Ermittlungsverfahren gegen den 19-Jährigen eingeleitet worden. Ein mobiles Einsatzkommando des BKA habe den Beschuldigten "rund um die Uhr im Blick gehabt", erklärte die Bundesanwaltschaft.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere gibt vor Mikrofonen ein Statement zur Festnahme eines Syrers ab. | Bildquelle: dpa
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Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt seine Erklärung am Rande des Festakts zum Reformationstag in Wittenberg ab.

De Maizière: "Zugriff zum richtigen Zeitpunkt"

De Maizière lobte die "hervorragende Arbeit" der Beteiligten. "Nach allem, was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen." Die Gefährdungslage in Deutschland sei unverändert hoch, sagte der Innenminister.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2017 um 16:00 Uhr und die tagesthemen am 31.Oktober um 23:15 Uhr.

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