Modell der Handgranate, die auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen geworfen wurde. | Bildquelle: dpa

Anschlagsversuch mit Handgranate Politik reagiert mit Entsetzen

Stand: 29.01.2016 16:57 Uhr

Nach dem Wurf einer Handgranate auf ein Flüchtlingsheim zeigt sich die Politik entsetzt. Justizminister Maas sprach von einem "erschreckenden Ausmaß der Gewalt". Die Polizei richtete eine Soko ein. Sie untersucht derzeit, ob die Granate einen Zünder hatte.

Nach dem versuchten Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen haben Bundes- und Landespolitiker mit Entsetzen reagiert. Bundesjustizminister Maas sagte: "Das Ausmaß der Gewalt ist erschreckend". Die Täter dürften nicht ungestraft davonkommen, sagte Maas. Sie müssten konsequent ermittelt und bestraft werden.

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich bestürzt. "Es ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten - quasi mit militärischen Waffen - auf Asylsuchende losgegangen wird", sagte der Grünen-Politiker.

Polizei bildet Soko

Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet. In der "Soko Container" ermittelten 75 Beamte, um die Hintergründe der Tat aufzuklären, sagte Dietmar Schönherr, Leiter der Kriminaldirektion Rottweil, in Villingen. Man ermittele in alle Richtungen. Auch ein Anschlag auf das Wachpersonal sei nicht auszuschließen.

Außerdem untersuchen die Ermittler, ob die Handgranate einen Zünder hatte und damit tatsächlich scharf war. "Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung." Der Experte des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger, erklärte, von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn sowohl Sprengstoff als auch Zünder vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Handgranate sei scharf gewesen.

170 Bewohner betroffen

In der Nacht zum Freitag hatten Unbekannte die Handgranate auf das Gelände der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle im Schwarzwald-Baar-Kreis geworfen worden. Die Granate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden. In der ehemaligen Kaserne sind rund 170 Asylbewerber untergebracht.

Anschläge haben sich vervielfacht

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsheime sind im vergangenen Jahr stark angestiegen. Das Bundeskriminalamt registrierte 2015 erstmals 1000 Straftaten gegen Asylunterkünfte. Das sind fünf Mal so viele wie im Jahr zuvor. Bei den Straftaten handelt es sich vor allem um Sachbeschädigungen, gefolgt von Propaganda- und Gewaltdelikten. Es gab 92 Brandstiftungen und 13 versuchte.

De Maizière: Phänomen "kriecht" in die Mitte der Gesellschaft

901 der gesamten Straftaten gegen Flüchtlingsheime wurden durch rechts motivierte Täter verübt. Dabei handelt es sich auch um Täter, die zuvor nie rechtsextrem aufgefallen waren. Innenminister Thomas de Maizière sagte im ARD-Morgenmagazin, dass das Problem "in einen Teil der Mitte der Gesellschaft kriecht, ist ein neues Phänomen". Da helfe kein gutes Zureden, auch diese Straftaten müssten genauso hart durch die Polizei verfolgt und bestraft werden.

"Klare Grenze bei der politischen Auseinandersetzung"

Die zunehmende Anzahl von Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte sei nicht zu akzeptieren, stellte de Maizière klar. "Ich verstehe Sorgen, ich verstehe Kritik, aber bei Gewalt hört es auf - sowohl von Asylbewerbern wie auch gegen Asylbewerber." Es gebe keinen sozialen oder politischen Grund, in Deutschland Gewalt anzuwenden. "Es muss klar sein, dass wir da eine klare Grenze bei der politischen Auseinandersetzung in Deutschland setzen."

Anschlag auf Erstaufnahmestelle in Villingen-Schwenningen
tagesschau 20:00 Uhr, 29.01.2016

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