Polizeiabsperrung in Villingen-Schwenningen | Bildquelle: Kamera24, TV

Anschlag in Villingen-Schwenningen Handgranate auf Flüchtlingsunterkunft geworfen

Stand: 29.01.2016 09:24 Uhr

Unbekannte haben mit einer Handgranate einen Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen verübt. Laut Polizei wurde die Granate von Experten entschärft. Bundesjustizminister Maas sprach von einem "erschreckenden Ausmaß der Gewalt".

Eine Handgranate haben Unbekannte auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) geworfen. Die Granate war mit Sprengstoff gefüllt, explodierte aber nicht. Sie wurde vom Entschärfungsdienst des Landeskriminalamtes (LKA) kontrolliert gesprengt.

Bundesjustizminister Heiko Maas zeigte sich erschüttert. "Das Ausmaß der Gewalt ist erschreckend."

"Nicht auf den ersten Toten warten"

Die Täter dürften nicht ungestraft davonkommen, sagte Maas. Sie müssten konsequent ermittelt und bestraft werden. "Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt." Die "neue Qualität der Hetze und Gewalt" müsse allen Demokraten ein Ansporn sein, noch entschiedener für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten.

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann reagierte entsetzt. "Das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten - quasi mit militärischen Waffen - auf Asylsuchende losgegangen wird."

170 Menschen in der Unterkunft

Bei dem Anschlag, der sich kurz nach ein Uhr in der Nacht ereignete, wurde den Angaben zufolge niemand verletzt. In der Flüchtlingsunterkunft, einer ehemaligen Kaserne, sind rund 170 Asylbewerber untergebracht. 20 Menschen mussten wegen der Entschärfung kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen.

Anschläge haben sich vervielfacht

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsheime sind im vergangenen Jahr stark angestiegen. Das Bundeskriminalamt registrierte 2015 erstmals 1000 Straftaten gegen Asylunterkünfte. Das sind fünf Mal so viele wie im Jahr zuvor.

Bei den Straftaten handelt es sich vor allem um Sachbeschädigungen, gefolgt von Propaganda- und Gewaltdelikten. Es gab 92 Brandstiftungen und 13 versuchte.

De Maizière: Phänomen "kriecht" in die Mitte der Gesellschaft

901 der gesamten Straftaten gegen Flüchtlingsheime wurden durch rechts motivierte Täter verübt. Dabei handelt es sich auch um Täter, die zuvor nie rechtsextrem aufgefallen waren. Innenminister Thomas de Maizière sagte im ARD-Morgenmagazin, dass das Problem "in einen Teil der Mitte der Gesellschaft kriecht, ist ein neues Phänomen". Da helfe kein gutes Zureden, auch diese Straftaten müssten genauso hart durch die Polizei verfolgt und bestraft werden.

"Klare Grenze bei der politischen Auseinandersetzung"

Die zunehmende Anzahl von Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte sei nicht zu akzeptieren, stellte de Maizière klar. "Ich verstehe Sorgen, ich verstehe Kritik, aber bei Gewalt hört es auf - sowohl von Asylbewerbern wie auch gegen Asylbewerber." Es gebe keinen sozialen oder politischen Grund in Deutschland Gewalt anzuwenden, das müsse verfolgt werden. "Es muss klar sein, dass wir da eine klare Grenze bei der politischen Auseinandersetzung in Deutschland setzen."

Christiane Meier im Gespräch mit Thomas de Maizière zur Gesetzeslage bei Straftaten Rechter
ARD-Morgenmagazin, 29.01.2016

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2016 um 09:00 Uhr.

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