Ausgebranntes Haus in Remchingen | Bildquelle: dpa

Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte Fast täglich ein Angriff

Stand: 27.07.2015 10:49 Uhr

Die ablehnende Haltung mancher Bürger gegenüber Flüchtlingen gipfelt zunehmend in fremdenfeindlicher Gewalt. Inzwischen kommt es fast täglich zu Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte - vor allem im Osten und Süden des Landes. Ein Überblick.

Ihre beiden Töchter im Alter von zwei und fünf Jahren schliefen schon, als eine 24-jährige Mutter in der Nacht zum Sonntag plötzlich Brandgeruch in ihrer Wohnung bemerkte. Schnell weckte sie ihren Mann, der das Feuer am Eingang gerade noch löschen konnte. Inzwischen steht fest: Die Flüchtlingsfamilie, die Zuflucht in Brandenburg an der Havel gesucht hat, ist Opfer eines Brandanschlages geworden.

Unbekannte waren in das Haus eingedrungen und hatten eine mit Brandbeschleuniger getränkte Zeitung vor die Wohnungstür der Familie geworfen. Die Täter entkamen unerkannt.

Szenen wie diese spielen sich inzwischen fast täglich in Deutschland ab. Folgende Zwischenfälle ereigneten sich allein in den vergangenen zwei Wochen:

  • In einem Flüchtlingsheim im Dresdener Stadtteil Stetzsch wurden sechs Scheiben mit Steinen eingeworfen.
  • Bei einem Angriff im thüringischen Greitz wurden vier Asylbewerber verletzt. Die Flüchtlinge hatten nach Angaben Polizei eine Gruppe junger Männer angesprochen, die daraufhin unerwartet auf die Syrer einschlugen und sie traten.
  • Beim Aufbau einer Zeltstadt für 1.100 Flüchtlinge in Dresden wurden Mitarbeiter des Roten Kreuzes angegriffen.
  • Im baden-württembergischen Remchingen ging ein leerstehendes Vereinsheim in Flammen auf, in das 2016 nach einem Umbau Flüchtlinge einziehen sollten. Der Sachschaden liegt nach Polizeiangaben bei rund 70.000 Euro
  • In einer Garage in einer Flüchtlingsunterkunft in Waldaschaff im Landkreis Aschaffenburg brach ein Feuer aus - ein Papiercontainer war in Flammen aufgegangen.
  • In Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurden mehrere Steine gegen zwei Zelte des Deutschen Roten Kreuzes geworfen, Sie standen neben einer Sporthalle, in der Flüchtlinge untergebracht sind. Eine 20-jährige DRK-Helferin wurde leicht verletzt.
  • Im oberbayerischen Reichertshofen wurde an zwei Eingängen eines Gebäudekomplexes Feuer gelegt, in den im September 67 Asylbewerber einziehen sollten. Die Polizei schätzt den Schaden auf 150.000 Euro.
  • Auf ein Asylbewerberheim im sächsischen Böhlen wurde an zwei Nächten hintereinander geschossen. Eine Fensterscheibe und Teile der Fassadenverglasung gingen zu Bruch. Verletzt wurde niemand.

Die Hintergründe aller Vorfälle sind noch nicht abschließend geklärt, jedoch prüft die Polizei in allen Fällen, ob eine fremdenfeindlich-motivierte Tat dahinersteht.

Für diese Vermutung spricht eine aktuelle Statistik des Bundesinnenministeriums. Demnach kam es im ersten Halbjahr 2015 zu 202 Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. Für 173 davon seien rechtsextreme Täter verantwortlich, erklärte das Ministerium. Der Hintergrund weiterer 26 Taten habe bisher nicht zugeordnet werden können.

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