Ermittler am Tatort des Anschlags von Ansbach

Anschläge von Würzburg und Ansbach Terrorberatung per Telefon

Stand: 05.08.2016 20:46 Uhr

Dass junge Menschen sich im Internet radikalisieren, ist hinreichend bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zeigt sich bei den Attentätern von Ansbach und Würzburg, dass sie in Chats bei ihren Taten regelrecht gecoacht wurden.

Von Georg Mascolo und Kersten Mügge, NDR

Ein Foto der menschenleeren Pferderennbahn von Ansbach. Der spätere Attentäter schickte es an eine Telefonnummer nach Saudi-Arabien. Dazu gab er in sein Handy einen kurzen Text ein: "Dieser Platz wird voll von Menschen sein." Sein Chat-Partner antwortet ihm: "Töte sie alle."

Beide blieben in Kontakt - bis unmittelbar vor der Tat, bei dem er sich mit einer Splitterbombe selbst tötete und 15 Menschen verletzte. Auf das Protokoll sind die Ermittler bei der Auswertung des Handys gestoßen. Über dessen Existenz informierte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bereits einige Tage nach dem Anschlag: "Aus diesem Chat lässt sich entnehmen, dass hier ein anderer Mensch, egal wo der sich aufgehalten hat, ganz maßgeblichen Einfluss auf das Agieren des Täters hatte."

Ansbacher Täter zögerte offenbar

Der zeigt sich im weiteren Verlauf des Chats. Offenbar scheint der Ansbacher Attentäter kurz vor Tat gezögert zu haben. Er tippte in sein Handy: "Bete für mich, du weißt nicht, was gerade mit mir passiert." Darauf bekam er die Antwort: "Vergiss das Fest und gehe zum Restaurant. Mann, was ist mit dir los? Ich würde es wegen zwei Personen durchführen. Vertrau Gott und lauf zum Restaurant los."

Ermittlungen Ansbach
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Der Täter von Ansbach wurde offenbar angwiesen, sich einen neuen anschlagsort zu suchen.

Chatpartner bisher unbekannt

Bis jetzt wissen die Ermittler nicht, mit wem sich der Attentäter von Ansbach austauschte. Ähnliches gilt für den Attentäter von Würzburg. Er schrieb einer ebenfalls unbekannten Person mit saudi-arabischer Telefonnummer, dass er einen Angriff mit einer Axt plane. Daraufhin bekam er - vier Tage nach dem Anschlag von Nizza - die Antwort: "Bruder, wäre es nicht besser, es mit einem Auto durchzuführen? So wird die ganze Welt erneut aufgewühlt werden."

Und der Chatpartner versprach dem 17-Jährigen, sein Bekennervideo weiterzuleiten: "Wenn Du den Anschlag begehen wirst, so Gott es will, wird der Islamische Staat dafür die Verantwortung übernehmen."

Bundesinnenminister Thomas de Maizière ordnete dieses Video nach der Tat so ein: "Es handelt sich nach der Auswertung der Experten um ein klassisches Abschiedsvideo eines Selbstmordattentäters. Der Täter bekennt sich zum Islamischen Staat. Hinweise für eine Anordnung des sogenannten Islamischen Staats enthält das Video nicht."

Neue Erkenntnisse über Würzburg und Ansbach
tagesthemen 21:45 Uhr, 05.08.2016, Michael Stempfle, ARD Berlin

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Bisher unbekanntes Phänomen

Die Täter von Würzburg und Ansbach - wie die Chats zeigen, wurden sie beraten und ermutigt. Für die Ermittler ist das ein für Deutschland neues Phänomen. Agieren also Personen im Hintergrund, die keine Befehlsgewalt haben, aber möglichen Attentäter mit Tipps versorgen?

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" kommt das Bundeskriminalamt in einer Analyse zu einer Schlussfolgerung: Es seien dem IS gewogene oder dschihadistische soziale Netzwerke, die Freiwillige auch konkret berieten und anleiteten. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft wollte sich zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern.

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