BKA-Fahndungsfoto | Bildquelle: BKA

Suche nach Berlin-Attentäter Bruder fordert Amri zur Aufgabe auf

Stand: 22.12.2016 10:50 Uhr

Anis Amri ist dringend tatverdächtig, zwölf Menschen bei dem Berlin-Anschlag getötet zu haben. Europaweit wird nach ihm gefahndet. Offenbar war er auch den US-Behörden bekannt. Sein Bruder forderte Amri auf, sich der Polizei zu stellen.

Bei der Suche nach dem Attentäter von Berlin konzentrieren sich die Behörden auf eine Person: Anis Amri. Papiere im Führerhaus des Sattelschleppers, mit dem auf dem Berliner Breitscheidplatz der Anschlag verübt worden war, haben die Ermittler auf seine Spur gebracht. Deutschlandweit fahndet die Polizei nach dem 24-jährigen Tunesier. Er ist dringend tatverdächtig. Den deutschen Behörden ist Amri als "Gefährder" bekannt.

Ein Bruder von Amri rief ihn zur Aufgabe auf. "Ich bitte ihn, sich der Polizei zu stellen", sagte Abdelkader Amri der Nachrichtenagentur AP. Die Familie im tunesischen Oueslatia sei erschüttert über die Nachrichten von dem Anschlag. "Wenn bewiesen wird, dass er verwickelt war, sagen wir uns von ihm los", sagte Amris Bruder.

Europaweite Fahndung nach Anis Amri
tagesschau 12:00 Uhr, 22.12.2016, Ingrid Bertram, WDR

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Hinterlassene Papiere könnten Absicht gewesen sein

Bekannt ist, dass Amri mindestens acht Identitäten benutzte. Auch die Papiere im Lkw waren nicht auf seinen richtigen Namen ausgestellt. Nach Einschätzung von ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt könnte hinter den zurückgelassenen Dokumente Kalkül gesteckt haben: "Es könnte Absicht gewesen sein, denn auch andere islamistische Terroristen haben an Tatorten Ausweise hinterlassen", sagte er gegenüber tagesschau.de. "Wenn Attentäter damit rechnen, dass sie eventuell sterben werden, könnte es darum gehen, dass die Öffentlichkeit unbedingt erfahren soll, wer sie waren."

Nach RBB-Informationen soll der Attentäter auf der Flucht nicht nur seine Geldbörse mit diversen Dokumenten, sondern auch sein Handy verloren haben.

Auch US-Geheimdienste hatten den Mann offenbar im Visier. Wie die "New York Times" berichtet, stand er über den Messenger-Dienst Telegram mindestens einmal im Kontakt mit dem IS. Die Zeitung beruft sich auf die Aussage eines nicht näher beschriebenen US-Offiziellen. Demnach soll sich Amri im Internet auch über den Bau von Sprengsätzen informiert haben. Wegen dieser Vorgeschichte stand der Tunesier offenbar auf der Flugverbots-Liste der USA.

Bundeskriminalamt @bka
#FAHNDUNG nach Tatverdächtigem #Breitscheidplatz: #GBA und #BKA bitten um Ihre Mithilfe: https://t.co/rqI5FB08Qt https://t.co/GpfvZM2qs2

Observierung von März bis September

Eine Überraschung sind die US-Erkenntnisse für die deutschen Behörden nicht. Auch hier wurde Amri bereits observiert. Wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelte das Landeskriminalamt NRW in Zusammenarbeit mit den Berliner Behörden gegen ihn.

Zwischen März und September wurde der Tunesier überwacht, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mit. Es habe den Verdacht gegeben, dass er einen Einbruch plane, um sich Mittel für den Kauf automatischer Waffen zu beschaffen - "möglicherweise, um damit später mit noch zu gewinnenden Mittätern einen Anschlag zu begehen", fügte die Staatsanwaltschaft hinzu. Amri sei daraufhin observiert worden, auch seine Kommunikation sei überwacht worden.

Allerdings hätten die "umfangreichen Überwachungsmaßnahmen" keine Hinweise zu den Vorwürfen erbracht. Deshalb habe "keine Grundlage für eine weitere Verlängerung der Anordnungen zur Überwachungsmaßnahmen mehr" bestanden, diese seien im September beendet worden, hieß es in der Justizerklärung weiter.

Verbindung zu Abu Walaa

Dies steht teils in Widerspruch zu Informationen von NDR, WDR und SZ unter Berufung auf eine Vertrauensperson des LKA. Demnach habe sich im Juli 2016 der Verdacht noch einmal erhärtet, Die Vertrauensperson berichtete, Amri habe davon gesprochen, Anschläge begehen zu wollen. Amri habe die Vertrauensperson gefragt, ob sie Schusswaffen besorgen könne.

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" geriet Amri bei Ermittlungen gegen Abu Walaa und dessen engste Helfer in den Fokus der Behörden. Abu Walaa, der im November verhaftet wurde, wird als die "Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnet. Amri fiel bei Telefonüberwachungen als eine Art Übermittler von Nachrichten auf.

Seit Dezember hatten die Ermittler die Spur des Tunesiers verloren. Vermutlich tauchte er unter. Derzeit ist nicht bewiesen, dass Amri den Lastwagen wirklich fuhr, der am Montag in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gelenkt wurde.

Anschlagsplanungen "ausdauernd und langfristig"

Dass die Sicherheitsbehörden ihm einen Terrorakt zutrauen, wird mit Blick in die Gefährderdatei deutlich. In dem Dokument werden derzeit 549 Menschen aufgeführt. Dem Bayerischen Rundfunk liegen die Passagen vom März zu Amri vor. Darin heißt es:

Der Verdächtige werbe im gesamten Bundesgebiet "offensiv bei anderen Personen darum, gemeinsam mit ihm islamistisch motivierte Anschläge zu begehen". Er beabsichtige, sich "großkalibrige Schnellfeuergewehre über Kontaktpersonen in der französischen Islamistenszene zu beschaffen". Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei davon auszugehen, dass A. seine Anschlagsplanungen "ausdauernd und langfristig" verfolgen werde.

Abschiebung nach Tunesien nicht möglich

Im Juni 2016 wurde Amri als Asylbewerber abgelehnt, wie NRW-Innenminister Ralf Jäger bestätigte. Der Tunesier sollte abgeschoben werden. Wegen fehlender Ausweispapiere war dies jedoch nicht möglich. Tunesien habe zunächst bestritten, dass er Staatsbürger des Landes sei. Die Ausweispapiere hätten deutsche Behörden zwei Tage nach dem Anschlag erhalten.

Vor seiner Zeit in Deutschland lebte Amri offenbar in Italien. Nach einem tunesischen Medienbericht verbrachte er vier Jahre in einem italienischen Gefängnis - wegen Brandstiftung. Amris Vater soll dies bestätigt haben. Auch in Tunesien soll Amri wegen Drogendelikten inhaftiert gewesen sein.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Dezember 2016 um 22:05 Uhr.

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