Fahndungsfoto Amri  | Bildquelle: dpa

Nach Tod des Terrorverdächtigen Amri Mögliche Unterstützer im Fokus

Stand: 23.12.2016 16:22 Uhr

Nach dem Tod des Terrorverdächtigen Amri in Mailand konzentrieren sich die Ermittlungen auf ein mögliches Unterstützernetzwerk. Das teilte der Generalbundesanwalt mit. Die IS-nahe Agentur Amaq veröffentlichte ein Video, in dem Amri der Terrormiliz angeblich die Treue schwört.

Die Ermittlungen zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Montag konzentrieren sich nach dem Tod des Terrorverdächtigen Anis Amri auf mögliche Helfer. "Für uns ist es jetzt von großer Bedeutung festzustellen, ob es bei der Tatvorbereitung, bei der Tatausführung und auch bei der Flucht des Gesuchten ein Unterstützernetzwerk, ein Helfernetzwerk, ob es Mitwisser oder Gehilfen gab", sagte Generalbundesanwalt Peter Frank in Karlsruhe. Allerdings liefen die Ermittlungen "derzeit nur gegen Unbekannt weiter".

Tod in Mailand

Amri wurde nach Angaben des italienischen Innenministers Marco Minniti am frühen Morgen bei Mailand von der Polizei bei einer Straßenkontrolle erschossen. Der mutmaßliche islamistische Terrorist habe ohne Zögern seine Waffe gezogen und geschossen, nachdem er nach seinen Papieren gefragt wurde.

Amri soll am Montag in Berlin mit einem gestohlenen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast sein. Seine Fingerabdrücke waren nach Angaben von Ermittlern mehrfach an dem Lkw sichergestellt worden. Im Lkw wurde nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" das Mobiltelefon Amris gefunden. Zunächst war nur bekannt geworden, dass sich die Geldbörse mit Dokumenten dort befand.

Tod in Mailand - Terrorverdächtiger erschossen
Terrorverdächtiger Anis Amri wurde in Mailand bei einer Kontrolle erschossen.

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Italienische Polizeibeamte sichern in Mailand Spuren | Bildquelle: dpa
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Italienische Polizeibeamte sichern in Mailand Spuren

Für die Bundesanwaltschaft ist nun "vor allem auch von Interesse, ob die Waffe, die bei Anis Amri in Mailand gefunden wurde, die Tatwaffe von Berlin ist", sagte Frank.

Zur Frage, wie Amri ungehindert von Berlin nach Mailand gelangen konnte, sagte der Generalbundesanwalt: "Das ist für uns einer der zentralen Gegenstände unserer weiteren Ermittlungen." Es müsse jetzt auch ermittelt werden, ob es dabei vielleicht auch Helfer oder Unterstützer gegeben habe und ob der Tunesier möglicherweise finanziell von außen unterstützt worden sei. Amri reiste nach italienischen Angaben allein mit dem Zug von Frankreich nach Italien.

Moscheeverein erneut im Fokus

Die Berliner Behörden prüfen zudem ein mögliches Verbot des Moscheevereins "Fussilet 33", in dem auch Amri verkehrt haben soll. Derzeit werde geprüft, "ob man hier kurzfristig tätig werden kann", sagte Innenstaatssekretär Torsten Akmann im Berliner Innenausschuss. Es gehe um die Frage, ob "Verbotstatbestände" vorliegen, die einen solchen Schritt rechtfertigten. Dazu könnten Strafverfahren gegen Beteiligte gehören oder Hinweise auf Unterstützung terroristischer Vereinigungen.

Der Moschee-Verein im Stadtteil Moabit, dessen Räume bei der Suche nach dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri am Donnerstag und heute zweimal Ziel der Fahnder waren, wird im jüngsten Bericht des Berliner Verfassungsschutzes als Treffpunkt von Islamisten geführt.

LKA Berlin: Amri nicht auf Überwachungsvideo

Das Berliner Landeskriminalamt widersprach allerdings Informationen des rbb, wonach Amri vor und nach der Tat in einer Berliner Moschee gewesen sein soll. Der rbb hatte Überwachungsvideos gezeigt und behauptet, dass es sich bei der abgebildeten Person um Amri handele.

Der Chef des Berliner Landeskriminalamtes, Christian Steiof, sagte im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses, er habe entsprechende Informationen, dass Amri nicht die Person auf den Bildern sei. Nach Aussagen der Polizeibeamten, die Amri kennen oder zeitweise observiert haben, "ist die Person auf diesen veröffentlichten Bildern nicht Anis Amri", sagte er.

Bekenntnis zur Terrormiliz IS

Einige Stunden, nachdem der Tod Amris bekannt geworden war, veröffentlichte die der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nahestehende Agentur Amaq ein Video. Darin schwört offenbar Amri dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue.

Zu Beginn des dreiminütigen Handyvideos ist der 23. Dezember als Datum eingeblendet. Auf einer Fußgängerbrücke stehend, spricht ein Mann in dunkler Kapuzenjacke.

Um das Attentat in Berlin ging es in der Videobotschaft aber offenbar nicht. "Wir kommen zu Euch, um Euch zu schlachten, Ihr Schweine", droht Amri. Es werde Rache für das Blut von Muslimen geben, das vergossen wurde. Die Echtheit der Aufnahme wurde aber bislang nicht unabhängig bestätigt.

Peter R. Neumann @PeterRNeumann
NEU: IS veröffentlicht via Amaq "Testament" von Anis Amri. Stärkster Beweis für IS-Verbindung. https://t.co/zBonVkr9pf

Warnung aus Marokko

Marokkanische Sicherheitsbehörden sollen deutsche Kollegen im September und Oktober vor Anschlagsplänen Amris gewarnt haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa mit Bezug auf Sicherheitskreise. Demnach sollen die Meldungen an den Bundesnachrichtendienst und das Bundeskriminalamt gegangen sein. Marokkanische Sicherheitskreise bestätigten jetzt, dass es von ihrer Seite zwei entsprechende Warnungen gegeben habe.

Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" soll der marokkanische Geheimdienst die Warnungen am 19. September und am 11. Oktober weitergeleitet haben. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus der marokkanischen Regierung. Konkret sei es um die Gesinnung Amris gegangen und seine Bereitschaft, einen Terroranschlag durchzuführen.

Identitäten der Opfer noch nicht vollständig geklärt

Bei dem Anschlag am 19. Dezember waren zwölf Menschen getötet worden. Dem Generalbundesanwalt in Karlsruhe zufolge sind die Identitäten noch nicht alle abschließend geklärt. Neben Deutschen starben Menschen aus Italien, Israel, Polen und Tschechien. Unter den Toten ist der Fahrer des Lkw, der für die Todesfahrt genutzt wurde. Der 37-Jährige wurde nach dem Anschlag tot in der Fahrerkabine gefunden.

Der irrtümlich festgenommene Pakistaner berichtet

Der nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Montag festgenommene Pakistaner Navid B. hat sich zu Wort gemeldet, nachdem die Polizei ihn freigelassen hatte.

Wie es zur Festnahme kam, beschrieb der Asylbewerber der Zeitung "Welt am Sonntag": Er sei gerade im Tiergarten-Park gewesen und wollte seine U-Bahn erwischen, um nach Hause zu fahren. Eine Straße habe er rennend überquert, weil Autos kamen.

Daraufhin hätten ihn Polizisten angehalten und ihn gefragt, warum er laufe, sagte Navid B. weiter. Sie hätten gefragt, "ob ich den Anschlag mit dem Laster verübt habe". Obwohl er gesagt habe, dass er unschuldig sei, habe er die Nacht in Gewahrsam verbringen müssen. Am nächsten Tag sei er freigelassen und zunächst in ein Hotel gebracht worden. Sein Handy bekam Navid B. laut "WamS" erst am Donnerstag zurück.

Nach der Festnahme hatten polizeiliche Nachforschungen ergeben, dass der Pakistaner nichts mit dem Anschlag mit zwölf Toten und etwa 50 Verletzten zu tun hatte. In den vergangenen Tagen hatte es Irritationen gegeben, weil Navid B. nach seiner Freilassung nicht wieder in seiner Unterkunft in Berlin-Tempelhof aufgetaucht war. Auch Angehörige hatten sich besorgt geäußert, weil Navid B. sich zunächst nicht wieder bei ihnen gemeldet habe.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2016 um 17:00 Uhr.

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