Fahndungsfoto Amri  | Bildquelle: dpa

Anschlag auf Weihnachtsmarkt Ermittler hoffen auf Details aus Italien

Stand: 28.12.2016 14:59 Uhr

Bei den Ermittlungen zum Anschlag in Berlin setzt die Staatsanwaltschaft auf die Zusammenarbeit mit Italien - auch um Details zu der Waffe des mutmaßlichen Attentäters Amri zu erhalten. Aus der Politik kommen Forderungen, die Polizisten, die Amri gestellt hatten, auszuzeichnen.

Die Ermittlungen zu dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheitplatz dauern weiter an. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat nun ein Ersuchen an Italien gestellt, um mehr über die Waffe zu erfahren, die der mutmaßliche Attentäter Anis Amri bei sich hatte, als er von italienischen Polizisten in Mailand gestellt worden war.

Es soll geklärt werden, ob es sich um dieselbe Waffe handelt, mit der der polnische Lkw-Fahrer in Berlin getötet wurde. Amri steht im Verdacht, mit dem Lkw in die Buden des Weihnachtsmarktes gefahren zu sein. Bislang liegen der Bundesanwaltschaft nach eigenen Angaben noch keine Untersuchungsergebnisse aus Italien vor. Weiterhin konzentrieren sich die Ermittlungen laut der Behörde derzeit auf die Frage, ob Amri Hintermänner oder Komplizen hatte, die ihm auch bei seiner Flucht geholfen haben könnten.

Schon Stunden vor Anschlag auf Fahrer geschossen?

Die "Bild" berichtet unterdessen, dass die abschließenden Ergebnisse der Obduktion des getöteten Lkw-Fahrers vorliegen. Die Untersuchung habe ergeben, dass der Mann am Tag des Attentats bereits zwischen 16.30 und 17.30 Uhr einen Kopfschuss erlitten und sehr viel Blut verloren habe. Bislang war man davon ausgegangen, dass dem Polen erst kurz vor dem Anschlag in den Kopf geschossen worden sei.

Bisher wurde spekuliert, ob er noch mit dem Attentäter gerungen und so eventuell ein noch schlimmeres Ausmaß des Anschlages verhindert haben könnte. Die nun bekannt gewordenen Ergebnisse schließen laut "Bild" nicht aus, das der Fahrer zum Zeitpunkt der Attacke auf den Weihnachtsmarkt noch gelebt habe. Allerdings gingen die Mediziner nicht davon aus, dass er noch in der Lage gewesen sei, bewusst zu handeln - was auch ein Eingreifen ausschließen würde.

Videomaterial bestätigt Flucht über Frankreich

Amri war nach dem Anschlag über Frankreich nach Italien geflohen. Das bestätigten Aufnahmen von Überwachungskameras auf dem Bahnhof Lyon Part-Dieu, wie die Nachrichtenagentur dpa aus französischen Ermittlerkreisen erfuhr. Über diesen Fluchtweg war bereits im Vorfeld in mehreren Medien spekuliert worden. Die Bilder der Kameras zeigen Amri demnach auf einen Bahnsteig. Offenbar sei er allein unterwegs gewesen.

In der Nacht zu Freitag war Amri im italienischen Mailand in eine Polizeikontrolle geraten. Es kam zum Schusswechsel mit den Beamten, bei dem der mutmaßliche Attentäter getötet wurde. Durch das Attentat in Berlin kamen zwölf Menschen ums Leben, Dutzende wurden teils schwer verletzt. Der 24 Jahre alte Amri stammte aus Tunesien. Er war 2015 nach Deutschland gekommen und hatte hier Asyl beantragt. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt und Amri sollte wieder nach Tunesien abgeschoben werden.

Wie das tunesische Außenministerium nun bekannt gab, hatten die Behörden des Landes zwei Tage vor dem Anschlag ihr Einverständnis zu der Ausweisung Amris in seine Heimat gegeben. Dafür hatte zunächst die Identität der 24-Jährigen bestätigt werden müssen. Das war bei einem ersten Abschiebeversuch nicht gelungen, da Amri auch falsche Identitäten genutzt hatte.

Orden für Polizisten?

Unterdessen werden aus der Politik erste Forderungen laut, auch die beiden italienischen Polizisten, die Amri gestellt hatten, für ihren Einsatz zu ehren. Bereits vor Weihnachten war auf der Internetplattform change.org eine Petition gestartet worden, die das Bundesverdienstkreuz für den getöteten Lkw-Fahrer fordert. Mittlerweile haben mehr als 33.000 Menschen diese unterzeichnet. Sie soll Bundespräsident Joachim Gauck übergeben werden. Eine posthume Verleihung des Bundesverdienstordens gibt es jedoch nur in seltenen Sonderfällen.

Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl brachte in einem Interview mit der "Bild" dieselbe Auszeichnung für die Polizisten ins Spiel. Die Beamten hätten eine Würdigung ihres "entschiedenen Handelns" verdient. Die Wahl der geeigneten Ehrung liege aber beim Bundespräsidialamt. Sein Vorschlag erhielt aber bereits Zustimmung von Parteikollege Michael Frieser.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2016 um 12:00 Uhr.

Darstellung: