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Der Amokläufer von Winnenden hat seine Tat entgegen ersten Angaben der Ermittler wahrscheinlich doch nicht im Internet angekündigt. Im Internet findet sich keine Bestätigung für die Echtheit einer zuvor der Öffentlichkeit präsentierten Text mit der Drohung aus einem Chatroom. Das räumte auch die Polizei ein.
Die Annahme der Ermittler, die Ankündigung der Bluttat in einem Internet-Chat sei auf dem Computer des 17-Jährigen geschrieben worden, habe sich nicht bestätigt, teilte die Polizei mit. Es gebe derzeit keinen Beweis, dass Tim K. den vielbeachteten Eintrag selbst verfasst habe.
[Bildunterschrift: Ausschnitt aus dem von der Polizei veröffentlichten Chat zwischen Tim K. und Bernd. ]
Auf einer Pressekonferenz hatte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech gesagt, dass die Ermittler auf dem Computer des Amokläufer Spuren gefunden hätten, die belegten, dass der 17-Jährige wenige Stunden vor der Tat das Blutbad auf einer Internetseite angekündigt habe. Nun hieß es, auf dem Computer von Tim K. habe sich definitv kein entsprechendes Chatprotokoll gefunden. Möglicherweise habe es sich um einen Übermittlungsfehler bei den Untersuchungen gehandelt, so ein Polizeisprecher.
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In der vermeintlichen Drohung soll der Jugendliche in der Nacht zum Mittwoch in einem Chatroom geschrieben haben, dass er das "Lotterleben" satt habe. "Ich meine es ernst, Bernd - ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen." Weiter habe es geheißen: "Merkt Euch nur den Namen des Orts: Winnenden."
Rech zufolge bekam die Polizei den Hinweis auf den Chatroom vom Vater eines Jugendlichen aus Bayern. Der Sohn habe im Internet die Ankündigung des 17-Jährigen gesehen, aber nicht ernst genommen, weil es sich um ein "Spaßforum" gehandelt habe. Erst nach dem Amoklauf habe der Junge seinen Vater informiert, dieser wandte sich wiederum an die Polizei.
Die Polizei Waiblingen und die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilten mit, es gebe zwei Zeugen, die unabhängig voneinander behauptet hätten, den Chat-Eintrag gesehen zu haben. Entscheidend sei, wann genau sie ihn gesehen hätten. Die Behörden haben nach eigenen Angaben außerdem eine Anfrage bei dem Betreiber der Servers in den USA veranlasst. Dadurch könnte womöglich geklärt werden, wann der Eintrag auf der Seite verfasst wurde.
Es ist keinesfalls gesichert, dass der Eintrag jemals auf der Seite "krautchan.net" stand. Die Betreiber der Seite erklärten nach Bekanntwerden des angeblichen Eintrags, dass der Eintrag eine Fälschung sei: "Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können." Die Überprüfung der Behauptung, dass ein Bild manipuliert worden sei, wurde dadurch erschwert, dass die "krautchan.net"-Betreiber die komplette Seite bis auf eine Eingangserklärung abschalteten.
Zahlreiche Internet-Nutzer zweifelten anschließend ebenfalls an der Echtheit der vermeintlichen Amokdrohung. Tatsächlich fanden sich auf einschlägigen Webseiten wenige Stunden alte Kopien von "krautchan.net", doch die vielbeachtete und offenbar gefälschte Ankündigung des Blutbads war nicht darunter – wohl aber Kopien jener Seite, die von den "krautchan.net"-Betreibern als nicht manipuliert bezeichnet worden war. Sie enthielt einen harmlosen Dialog.
Noch ist unklar, wie die wahrscheinliche Fälschung in Umlauf kam. Angeblich soll ein brisanter Screenshot der Seite "westline" anonym zu gespielt worden sein. unklar ist bisher, warum die Polizei die vermeintliche Amokankündigung zunächst als echt bezeichnete.
Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Claudia Krauth, sagte, ihr sei zunächst von den zuständigen Experten die Existenz des Internet-Chats zugetragen worden. Nun hätten die Experten aber erhebliche Zweifel an der Echtheit, und sie habe sich zusammen mit der Polizei entschieden, darüber die Öffentlichkeit zu informieren. "Das steht unseren früheren Äußerungen ja diametral entgegen", sagte Krauth.
Zu den Gründen und technischen Details könne sie zunächst nichts sagen. "Jetzt müssen wir prüfen, ob das tatsächlich falsch ist, wie das geschehen konnte und wer das war", sagte Krauth. Bezüglich des Amokläufers stünden die Ermittlungen nun aber wieder ganz am Anfang. "Wir hatten ja heute in eine Richtung vermutet, was das Motiv angeht."
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