Aus Deutschland abgeschobene Asylsuchende am Flughafen in Kabul (Archivbild 2016) | Bildquelle: AP

Amnesty-Bericht Kritik an Abschiebungen nach Afghanistan

Stand: 05.10.2017 08:36 Uhr

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Abschiebungen von Asylsuchenden nach Afghanistan verurteilt. Die Gewalt in dem Land sei auf einem Rekordhoch - daher solle die EU die Abschiebungen stoppen, bis die Lage dort wieder sicher sei.

Amnesty International hat die Abschiebungen aus europäischen Ländern nach Afghanistan kritisiert. Zwischen 2015 und 2016 habe sich mit 9460 Menschen die Zahl der Abgeschobenen aus europäischen Staaten verdreifacht, erklärte die Menschenrechtsorganisation in Brüssel. Jedoch bleibe die Zahl der getöteten oder verletzten Zivilisten nach UN-Angaben in Afghanistan hoch.

Keine Region des Landes sei sicher, so die NGO. Allein 2016 seien in Afghanistan knapp 11.500 Menschen getötet oder verletzt worden. Im ersten Halbjahr 2017 seien es bereits mehr als 5200 Menschen gewesen. Fast ein Fünftel der Vorfälle ereignete sich in der Hauptstadt Kabul. Unter den Opfern seien zunehmend Frauen und Kinder.

Bewegende Einzelschicksale

In einem Bericht greift Amnesty unterschiedliche Einzelschicksale auf, darunter das eines 24-jährigen Flüchtlings, der aus Schweden nach Afghanistan zurückgebracht wurde. Er sei Christ und habe sich in sozialen Netzwerken kritisch über den Islam geäußert, sagte der junge Mann den Menschenrechtlern. Nun werde sein Foto in seiner Heimat herumgereicht und er habe Angst, erkannt und umgebracht zu werden.

Ein anderer Fall betrifft eine Familie, deren Vater in Afghanistan gekidnappt und misshandelt und erst gegen ein Lösegeld wieder freigekommen sei. Die Familie floh nach Norwegen, wo das Asylgesuch aber abgelehnt wurde. Einige Monate nach der Abschiebung nach Afghanistan berichtete die Mutter, dass ihr Mann umgebracht worden sei.

Anschlag in Dschalalabad
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Immer wieder gibt es Anschläge in Afghanistan. Im ersten Halbjahr dieses Jahres starben dabei mehr als 5000 Menschen.

Kritik an Bundesregierung

Die deutsche Amnesty-Sektion kritisiert insbesondere, dass immer mehr Afghanen aus Deutschland zur Ausreise gezwungen würden. Dabei verstoße jede Abschiebung gegen das Völkerrecht, urteilte Asyl-Expertin Franziska Vilmar. "Die Bundesregierung muss unverzüglich dafür sorgen, dass in Anbetracht der äußerst schlechten Menschenrechts- und Sicherheitslage niemand mehr nach Afghanistan abgeschoben wird."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 05. Oktober 2017 um 06:30 Uhr.

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