Kanzleramtsminister Peter Altmaier | Bildquelle: dpa

Peter Altmaier Vom "jungen Wilden" zum Merkel-Erklärer

Stand: 16.07.2017 12:46 Uhr

Er gilt als "Allzweckwaffe": Als Krisenmanager ist Peter Altmaier geübt - denn Merkel betraut ihn gern mit heiklen Aufgaben. Selbst Gegner reden von dem Mann im Zentrum der Macht mit viel Respekt.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

"Wandelnder Runder Tisch", "Allzweckwaffe für schwierige Fälle", "Merkels Ein-Mann-Armee" - Peter Altmaier hat von Medien und politischen Freunden wie Gegnern bereits viele Spitznamen bekommen. In den allermeisten schwingt Respekt mit vor seinem politischen Talent und vielleicht auch ein bisschen Neid auf seine herausragende Rolle im Zentrum der Macht.

Denn Peter Altmaier ist aktuell nicht nur Chef des Bundeskanzleramtes und damit oberster Koordinator sowohl der Regierungsarbeit der Großen Koalition als auch der Geheimdienste. Darüber hinaus betreibt er seit einiger Zeit geradezu eine Ämterhäufung: Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 wurde er - und nicht der Bundesinnenminister Thomas de Maizière - politischer Koordinator der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

Und zuletzt betätigte er sich auch noch als Wahlkampfmanager der CDU, für die er federführend das gemeinsame Wahlprogramm mit der CSU verhandeln und schreiben sollte - eine Aufgabe, die gemeinhin der Generalsekretär der Partei, also Peter Tauber übernehmen würde.

SPD und Opposition kritisieren die Doppelrolle

Damit sorgte Altmaier für Schlagzeilen, denn SPD und Opposition kritisierten heftig die Doppelrolle, die er als Kanzleramtschef und Wahlprogramm-Schreiber inne hatte; man könne nicht gleichzeitig in einem solchen Maße Parteiarbeit betreiben und weiterhin ehrlicher Makler einer Regierungskoalition sein. Sogar Rücktrittsforderungen gab es.

Altmaier ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Er konterte mit dem Hinweis, dass Kanzler und Minister schon seit Jahrzehnten auch Verantwortung in ihren Parteien übernommen hätten. Im Übrigen sei die Aufgabe, für die ihm im Konrad-Adenauer-Haus ein eigenes Büro zur Verfügung gestellt wurde, ehrenamtlich. Man müsse nur darauf achten, Partei- und Regierungsarbeit nicht zu vermischen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier | Bildquelle: AFP
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Seit 2013 setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Peter Altmaier als ihren Kanzleramtsminister.

EU-Kommission, Bundestag, Unionsfraktion

Dass Angela Merkel auch hier ihren "Mann für alle Fälle" ins Feld schickte, dürfte viel mit seinem diplomatischen Geschick zu tun haben. Denn auch wenn CDU und CSU nach den heftigen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahres inzwischen Harmonie inszenieren, mussten dennoch unterschiedliche Positionen überbrückt werden. Prominentestes Beispiel: Obergrenze für Flüchtlinge.

Dabei dürfte Altmaier auch seine langjährige Erfahrung in unterschiedlichen politischen Ämtern zugute gekommen sein: Seine politische Laufbahn begann der Jurist 1990 als Beamter der EU-Kommission. Er zog 1994 in den Bundestag ein und wurde 2009 Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.

"Frag selbst" - die Termine

  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne): 2. Juli, 19:00 Uhr
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke): 13. Juli, 19:00 Uhr
  • Peter Altmaier (CDU): 16. Juli, 19:00 Uhr
  • Frauke Petry (AfD): 13. August
  • Horst Seehofer (CSU): 20. August
  • Martin Schulz (SPD); 27. August 2017
  • Christian Lindner (FDP): Termin noch offen

Früher ein "junger Wilder"

Dass Merkel ihm gerne die schwierigen Aufgaben überantwortet, zeigte sich bereits 2012, als er ohne jede umwelt- oder energiepolitische Erfahrung überraschend Norbert Röttgens Nachfolger im Amt als Bundesumweltminister wurde. Damit blieben ihm gerade mal knapp eineinhalb Jahre, um die konfliktträchtige Umsetzung der Energiewende auf den Weg zu bringen. Nach der Bundestagswahl im September 2013 folgte die Ernennung zum Kanzleramtsminister. Denn auch hier waren im Zuge der NSA-Affäre Altmaiers Nothelfer-Qualitäten gefragt.

Früher gehörte der lebensfrohe Saarländer, der von sich selbst sagt, dass ihm gutes Essen sehr wichtig sei, einmal zu den "jungen Wilden" in der Union. Er sorgte innerhalb der Partei für Ärger, indem er zunächst ein liberales Staatsbürgerschaftsrecht, dann die Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren und schließlich auch noch den Rücktritt des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl forderte. Auch seine Mitgliedschaft in der "Pizza-Connection", in der sich junge Unions- und Grünen-Abgeordnete trafen, ist legendär.

Schlüsselrolle - wohl auch in Zukunft

Altmaiers enge Verbindung und Loyalität zur Kanzlerin ist unbestritten. Manche verspotten ihn gar als Kanzlerinnen-Erklärer, weil er sich - für einen Kanzleramtschef durchaus ungewöhnlich - landauf, landab in zahlreichen Talkshows und Interviews für Merkels Politik stark macht. Dass ihm auch in einer künftigen Regierung Merkel eine Schlüsselrolle zukommen wird, kann als sicher gelten.

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