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Diskriminierung von Rentnern?

Ex-Bürgermeister Scherf fordert Ende der Altersgrenzen

Viele Vorschriften erschweren Rentnern ein ehrenamtliches Engagement - so das Fazit einer Experten-Kommission unter der Leitung des Bremer Ex-Bürgermeisters Scherf. So dürften zum Beispiel Schöffen maximal 69 Jahre alt sein. "Weg damit", fordert Scherf - und warnt vor einem Jugendwahn.

Von Achim Wendler, BR, ARD-Hauptstadtstudio

Henning Scherf
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Ex-Bürgermeister Scherf: "Ehrenamt braucht Rentner".

Henning Scherf nennt sich selbst "fit wie einen Turnschuh", aber er ist halt doch inzwischen 74 und befasst sich deshalb viel mit dem Alter. Der frühere Bremer Bürgermeister schreibt Bücher darüber, hält Vorträge und leitet auch noch eine Experten-Kommission. Das Thema, so Scherf, habe "eine Riesenresonanz".

Scherf: "Ältere Menschen nicht aus Ehrenamt kicken"

Was laut Scherf auch einen klaren Grund hat, denn das Bild vom Alter habe sich völlig verändert. Wer früher als alt galt, sei heute "im besten Alter". So lautet auch das Motto, unter dem die Kommission rund um den Sozialdemokraten im Auftrag der Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes gearbeitet hat. Doch auch wenn sich das Bild vom Alter geändert hat, ist sein Rahmen gleich geblieben, sprich, die Regeln und Gesetze, die es zum Thema Alter gibt. "Wir müssen wirklich abräumen, was einmal früher als Schutzregelung vorgesehen worden ist. Bei der Ehrenamtlichkeit ist das am krassesten. Es macht überhaupt keinen Sinn, ehrenamtlich bereite, freiwillige, ältere Menschen mit Altersgrenzen aus Ehrenämtern rauszukicken", argumentiert Scherf.

Um beispielsweise Schöffe am Gericht zu werden, muss man mindestens 25 Jahre alt sein und höchstens 69. Für das "Freiwillige Ökologische Jahr" beträgt das Höchstalter 26. Und viele Vereine haben sich Altersgrenzen für Ehrenämter gesetzt. Da ist dann mit 70 oder 75 Schluss. "Das macht doch die Gesellschaft ärmer, das ist doch richtig selbstschädigend, wenn man sowas stehen lässt. Also weg damit und zwar ohne Ausnahme und ohne Bedingung. Das passt alles nicht mehr in die Landschaft", betont Scherf.

Kommission fordert Ende der Altersgrenzen
A. Wendler, ARD Berlin
04.12.2012 15:18 Uhr

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Das Ehrenamt ist einer der Bereiche, auf die sich die Kommission eingeschossen hat. Ein anderer ist "Arbeit und Rente". Dass es tarifvertragliche Altersobergrenzen gibt, sei ein Ärgernis. Von regelrechter Diskriminierung will der wissenschaftliche Leiter der Kommission zwar nicht sprechen, aber Gerhard Naegele, Professor für Soziale Gerontologie (Alterswissenschaft) an der TU Dortmund, spricht von "Ungleichbehandlung" und erklärt: „Wir haben unter anderem festgestellt, dass Betriebe schon eine Menge tun im Bereich des Altersmanagement und Alternsmanagement, aber immer noch nicht hinreichend genug. Bei der beruflichen Reha haben wir durchaus so etwas wie eine Benachteiligung Älterer festgestellt, die ab einem bestimmten Lebensalter oder einer bestimmten Altersklasse nicht mehr in den Genuss von beruflichen Reha-Maßnahmen kommen."

Zuverdienstgrenzen weg, Altersgrenzen in der Politik auch

Ältere Arbeitnehmer an einer Werkbank
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Die Kommission empfiehlt: Zuvierdienstgrenzen bei Rentnern abschaffen

Wie zum Beispiel auch die geltenden Grenzen für Hinzuverdiener. Wer vorzeitig in Rente gegangen ist, kann höchstens 400 Euro dazuverdienen. Auch dazu lautet das einhellige Kommission-Urteil: "Weg damit!" Sogar in der Politik will die Kommission Altersgrenzen schleifen: Etwa die 40 Jahre, die ein Bundespräsident mindestens aufweisen muss. Laut Henning Scherf gibt es dafür keine plausiblen Gründe. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass Wahl-Legitimationsprozesse die ausreichenden Prozesse sind, vernünftige Leute in wichtige Funktionen hineinzubringen, und wenn das dann nicht geklappt hat, dann muss man sie auch wieder abwählen können. Das ist doch ganz klar", findet Scherf.

Die Kommission um Hennig Scherf besteht aus Vertretern von Alters- und Sozialverbänden, aus Gewerkschaftern, Arbeitgebern und Wissenschaftlern. Sie alle hoffen jetzt, dass der Gesetzgeber ihre Empfehlungen erhört. Darauf setzt auch die Frau, die die Kommission einberufen hat: Christine Lüders, die Chefin der Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes. Ihre Einrichtung ist unabhängig. Sie soll dafür sorgen, dass das Antidiskriminierungsgesetz von 2006 befolgt wird.

Linkspartei kritisiert "Schmalspurempfehlungen"

Aus der Opposition kommt Kritik an den Empfehlungen. Die seniorenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heidrun Dittrich, sieht die Kommission auf einer "Schmalspur" unterwegs. Die größte Altersdiskriminierung seien Armutsrenten. Dazu falle den Experten nicht mehr ein, als durch eine Aufhebung der Zuverdienstgrenzen ein Arbeiten bis zum Umfallen zu ermöglichen.

Alter zählt zu häufigsten Diskriminierungsgründen
tagesschau 16:00 Uhr, 04.12.2012, Jochen Graebert, ARD Berlin

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Stand: 04.12.2012 17:46 Uhr

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