Eine Frau schubst auf dem Spielplatz eines Kindergartens ein Mädchen auf einer Schaukel an

Studie zu Familienarmut Viele Alleinerziehende bekommen keinen Unterhalt

Stand: 07.07.2016 15:26 Uhr

Kampf um den Unterhalt - für Alleinerziehende ist das Alltag. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis: Jede zweite Alleinerziehende bekommt überhaupt keinen Unterhalt vom Ex-Partner für die Kinder. Und weitere 25 Prozent erhalten ihn nur unregelmäßig.

Alleinerziehende und ihre Kinder sind von Armut bedroht - diesen Zustand kritisieren Sozialpolitiker seit langem. Eine der wichtigsten Ursachen sind fehlende Unterhaltszahlungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Demnach bekommt die Hälfte der Alleinerziehenden überhaupt keinen Unterhalt vom Ex-Partner für ihre Kinder, ergab die Studie. Weitere 25 Prozent bekämen nur unregelmäßig Unterhalt oder weniger als den Mindestanspruch. Somit kommt bei drei von vier Kindern kein oder nur geringer Unterhalt an.

Insgesamt sind Kinder von Alleinerziehenden fünf Mal häufiger von Armut bedroht als Kinder mit zusammenlebenden Eltern - und die Tendenz ist steigend. Bundesweit wachsen laut der Untersuchung rund 970.000 Kinder in einer Familie mit nur einem Elternteil auf, die Hartz IV bezieht.

Arm trotz Arbeit

Ein weiterer Grund für das Armutsrisiko ist die Arbeit in Teilzeitjobs. Viele alleinerziehende Mütter müssen sich wegen der Betreuung der Kinder für solche Beschäftigungsverhältnisse entscheiden. 42 Prozent der Alleinerziehenden hatten im Jahr 2014 ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Das seien 6,6 Prozentpunkte mehr als 2005, hieß es in der Studie.

Bei Paarfamilien hingegen sei das Armutsrisiko im selben Zeitraum um 11,7 Prozentpunkte gesunken. Die Armutsgrenze liegt in Deutschland bei 60 Prozent des mittleren Einkommens.

Wie reagiert der Staat?

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sprach sich für Veränderungen beim Unterhaltsvorschuss aus, um die Lage Alleinerziehender zu verbessern. Mit dem Unterhaltsvorschuss springt der Staat ein, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil keinen Unterhalt zahlt. Allerdings wird diese Leistung nur für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren und maximal über sechs Jahre gezahlt.

Die Altersgrenze für den Bezug des Unterhaltsvorschusses müsse auf 14 Jahre angehoben werden, forderte Schwesig. Außerdem müsse der Unterhalt konsequenter eingefordert werden. "Es kann nicht sein, dass sich einige Väter oder auch Mütter vor dem Unterhalt ihrer Kinder drücken und ihre Verantwortung allein auf den Staat schieben", sagte die Ministerin.

Anmerkung der Red.: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es unter der Überschrift "Jeder zweite Vater zahlt nach Trennung nicht", dass eine der wichtigsten Ursachen für die Armutsgefahr von Alleinerziehenden die Zahlungsunwilligkeit der ehemaligen Partner sei. Zu diesem Ergebnis sei eine Studie der Bertelsmann-Stiftung gekommen. Tatsächlich hält die Studie fest, dass bei der Hälfte der Alleinerziehenden der Unterhalt gar nicht ankommt, bei weiteren 25 Prozent nicht regelmäßig oder nicht in der Höhe des Mindestunterhalts. Gründe hierfür gibt die Studie allerdings nicht an. Dies sei nicht bekannt. Insofern ist die Schlussfolgerung, dass der Nicht-Erhalt des Unterhalts auf Zahlungsunwilligkeit zurückgehe, unzulässig. Wir bedauern diese Verkürzung und danken unseren Lesern für entsprechende Hinweise.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Juli 2016 um 11:00 Uhr.

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