Alice Weidel and Alexander Gauland | Bildquelle: REUTERS

AfD-Parteitag in Köln Ein ungleiches Spitzenduo

Stand: 23.04.2017 15:49 Uhr

Die AfD zieht mit einem ungleichen Spitzenduo in den Bundestagswahlkampf. Ob der Rechtsnationale Gauland und die Wirtschaftsliberale Weidel die zerstrittene Partei einen können, ist fraglich. Fest steht nur: Parteichefin Petry spielt vorerst keine Rolle mehr.

Von Karin Dohr, NDR, zzt. Köln

Frauke Petry - wer war das noch mal? Eine Parteichefin im Abseits, so schnell geht es manchmal in der Politik, und bei der AfD erst recht. Über Stunden starrte Petry heute auf ihr Laptop. Sie wirkte geradezu, als ginge sie das Geschehen des Parteitages nichts an. Längst sind in der Partei andere am Ruder.

Etwa das neue Spitzenduo: Mögen Beobachter sagen, Alexander Gauland und Alice Weidel seien inhaltlich weit voneinander entfernt - Gauland macht ungerührt aus der Not eine Tugend. Das zeige eben die volle inhaltliche Bandbreite der AfD, erklärt er im ARD-Interview. Die Botschaft an den potenziellen Wähler: Von bürgerlich-modern bis national-konservativ, bei uns hat alles Platz. Doch auch Gauland wünscht sich das breite Spektrum wohl manchmal etwas weniger breit, und er weiß: die Personalsituation in der AfD ist alles andere als optimal.

Spitzenduo für die AfD
Gudrun Engel, WDR, 23.04.2017, tagesthemen 23:15 Uhr

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Die falsche Person zur falschen Zeit

Es ist was dran an Petrys Argument, dass unklar ist, wofür diese Partei steht. Warum konnte sie sich also damit nicht durchsetzen? Einerseits war sie die Falsche, um damit ins Feld zu ziehen: Sie selbst hat zu häufig mit Rechts-Außen-Positionen geliebäugelt, um damit glaubwürdig zu sein. Die Strategie krankte aber auch daran, dass die von ihr skizzierte Option - also möglichst rasch eine Koalition auf Bundes-Ebene, am besten als Seniorpartner einzugehen - derzeit einfach zu unrealistisch ist, als dass es sinnvoll scheint, darüber überhaupt zu entscheiden.

Mag auch sein, dass Petrys Analyse letztlich zu sehr ins Schwarze trifft. Natürlich weiß die Spitze der AfD um das Dilemma, dass die Fliehkräfte in der Partei groß sind und Sprengstoff bergen. Jede öffentliche Debatte darüber macht nur die eigene Schwäche nach außen hin offensichtlich. Also Schwamm drüber, mit Meinungsvielfalt in einen bunten Wahlkampf?

Weidel contra Höcke

Gaulands Rolle als graue Eminenz im Hintergrund hat er heute eindrucksvoll bewiesen. Den Rechtsaußen-Flügel um Björn Höcke dazu zu bewegen, Alice Weidel als Führungsperson zuzustimmen - das ist eine Leistung. Weidel kann Höcke und seiner Linie nichts, aber auch gar nichts abgewinnen, sie hat auch für sein Parteiausschlussverfahren gestimmt.

Alice Weidel | Bildquelle: AFP
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Weidel arbeitete als Unternehmensberaterin und stieß über die Kritik an der Eurorettungspolitik zur AfD.

Und die wirtschaftsliberale Weidel war lange ein rotes Tuch für Höckes Leute. Mag sein, dass ihre privaten Verhältnisse da eine Rolle spielen - sie lebt offen mit einer Frau zusammen. Machtpolitisch spielt wohl auch eine Rolle, dass die Frau aus Baden-Württemberg den Führungsanspruch ihres Landesverbands betont, allein aufgrund seiner Mitgliederzahl. Das hört man im Osten nicht gerne, wo man lieber mit Wahlerfolgen und Fraktionsstärken argumentiert, wo die Mitgliederzahl aber geringer ist.

Das Wahlprogramm der AfD

Der AfD-Bundesparteitag in Köln verabschiedete mit großer Mehrheit das Wahlprogramm. Die Partei setzt darin auf rigorose Maßnahmen in der Flüchtlingspolitik: Sie will unter anderem eine jährliche Mindest-Abschiebequote und ist gegen jeglichen Familiennachzug. Kriminelle Migranten sollen ausgebürgert werden. Bekräftigt wird der Anti-Islam-Kurs der Partei mit der Aussage, der Islam "gehört nicht zu Deutschland".

In der Familienpolitik will die AfD den "Trend zur Selbstabschaffung" der Deutschen stoppen, wofür eine "aktive Bevölkerungspolitik" nötig sei. Gebraucht würden Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenzahl. Weitere Forderungen des Wahlprogramms sind der Euro-Ausstieg, bundesweite Volksentscheide, die Rücknahme der Energiewende und die Abschaffung des Rundfunkbeitrags.

Gauland ist kein Wahlkämpfer

Gaulands Stärke ist also offensichtlich - seine Schwächen sind es aber auch. Er ist kein Wahlkämpfer, der auf Märkten und Bühnen die Massen begeistern könnte. Diese Fähigkeit hat auch bei diesem Parteitag nur Jörg Meuthen gezeigt. Er pflegt noch immer sein Image vom bürgerlichen Wirtschaftswissenschaftlers - doch er kann auch den Schalter umlegen, spielt dann ohne Scheu auf der Klaviatur, die in der AfD den richtigen Ton trifft: Deutschland am Abgrund und ähnliche Katastrophen-Szenarien, kraftvolle Attacken gegen "links-rot-grün-versiffte 68er".

Zwar hat Meuthen in Köln erneut betont, nun erst mal wie versprochen in Baden-Württemberg zu bleiben. Doch er hat auch gesagt: die Lust auf einen Platz im Bundestag sei bei ihm schon groß. Das klang ein bisschen wie: Wer weiß, was die Zukunft noch bringt.

Thomas Baumann, ARD Berlin, zum Abschluss des AfD-Parteitags
tagesschau 17:15 Uhr, 23.04.2017

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Jeder lebt in seiner eigenen Welt

Und abseits vom Wahlkampf? Gauland könnte alleine auf Dauer Probleme bekommen, seiner Partei Disziplin zu verordnen. Wer als Journalist über die AfD berichtet, kennt die Kehrseite des "breiten Spektrums": Man spricht, manchmal in einem Raum, mit mehreren AfD-Funktionären und hat den Eindruck, jeder lebt in seiner eigenen Welt.

Was der eine mit Verve vertritt, wird vom nächsten in Grund und Boden verdammt. Was für den einen schwarz ist, sieht der andere blütenweiß. Und man lässt sich gerne und ungefragt über die Schwächen der Parteifreunde aus: ob Gesundheitsprobleme oder fragwürdige Geschäftspraktiken - an guten Tagen witzeln sie übereinander, an schlechten heißt es dann schnell: Den kann man doch nicht ernst nehmen.

Die Schwäche der anderen ist die Stärke der AfD

Das alles ist bemerkenswert - doch muss es der AfD auch Sorgen machen? Petry zufolge schon, doch das zählt derzeit in der Partei ja nicht viel. Schließlich, so hört man auf dem Parteitag von Delegierten häufig, werde die AfD vor allem aus Protest gewählt. Da schade das stellenweise Chaos in der schließlich noch jungen Partei nicht unbedingt.

Ein Stück weit stimmt es wohl: Denn der Wahlerfolg der AfD hat nur bedingt mit ihrer eigenen Leistung und Performance zu tun. Sie ist dann stark, wenn andere Fehler machen. Wenn andere Parteien interne Machtkämpfe offen austragen, wenn sie politische Flanken öffnen und Fehler machen, dann nutzt das rasch der AfD. Ob und in welcher Stärke die AfD im Herbst also in den Bundestag einzieht, das haben nicht zuletzt ihre politischen Gegner in der Hand.

Zwei führen die AfD in den Wahlkampf, eine scheitert
K. Brand, ARD Berlin, zzt. Köln
23.04.2017 17:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. April 2017 um 15:00 Uhr.

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