Alice Weidel and Alexander Gauland | Bildquelle: REUTERS

AfD-Parteitag in Köln Gauland und Weidel neues Spitzenduo

Stand: 23.04.2017 13:55 Uhr

Der rechtsnationale Parteivize Gauland und die Wirtschaftsliberale Weidel sollen die AfD in den Bundestagswahlkampf führen. Rund 68 Prozent der Delegierten stimmten für das Spitzenduo. Zudem verabschiedete die Partei ihr Wahlprogramm.

Die AfD zieht mit dem stellvertretenden Parteichef Alexander Gauland und Vorstandsmitglied Alice Weidel als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Für das Duo stimmten beim Parteitag in Köln knapp 68 Prozent der Delegierten.

Gauland zu Petry: "Wir brauchen Sie"

Abstimmung auf dem AfD-Parteitag | Bildquelle: REUTERS
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Auf dem AfD-Parteitag stimmten 67,7 Prozent der Delegierten für das neue Spitzenduo.

Gauland zählt zu den Unterstützern des Thüringer Parteichefs Björn Höcke. Parteichefin Frauke Petry hatte nach dessen umstrittener Rede im Januar ein Parteiausschlussverfahren in Gang gesetzt, das Gauland ablehnt. Höcke hatte sich abfällig über das Holocaust-Mahnmal in Berlin geäußert. Zudem werfen Kritiker ihm vor, keinen klaren Trennungsstrich zur rechtsextremen NPD zu ziehen. Gauland weist Vorwürfe zurück, in der AfD gebe es rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen. Er gilt als einer der einflussreichsten Politiker in der Partei.

Nach seiner Wahl sagte er an die Adresse von Petry gerichtet: "Wir brauchen Sie in der Partei und für den Wahlkampf." Er wisse, dass sie am Samstag einen "schweren Tag" gehabt habe. Petry hatte vor dem Parteitag erklärt, sie stehe als Spitzenkandidatin nicht zur Verfügung. Zudem war sie mit ihrem Vorhaben gescheitert, eine Kursklärung vorzunehmen. Sie wollte die AfD auf einen "realpolitischen Kurs" mit dem Ziel des Mitregierens einschwören - die Delegierten lehnten eine Befassung mit dem Antrag aber ab.

Weidel bislang wenig bekannt

Alice Weidel | Bildquelle: AFP
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Weidel arbeitete als Unternehmensberaterin und stieß über die Kritik an der Eurorettungspolitik zur AfD.

Weidel wird der seit 2015 stark geschrumpften Strömung der Wirtschaftsliberalen zugerechnet. In ihrer Rede nach der Wahl sagte sie, die AfD werde sich "nicht den Mund verbieten lassen". Politische Korrektheit gehöre "auf den Müllhaufen der Geschichte". Über die Spitzenkandidatur sei zuletzt viel gestritten worden, so Weidel. Doch "irgendwann muss auch Schluss sein". Die AfD solle jetzt vereint in den Wahlkampf ziehen. In Bezug auf das Terrorattentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt sagte Weidel, es sei ein Skandal, dass christliche Feste inzwischen "mit Polizei, mit Maschinengewehren und LKW-Sperren" geschützt werden müssten.

Weidel hatte zuletzt ihre öffentliche Islam-Kritik verschärft. So wirft sie etwa dem Zentralrat der Muslime vor, sich "nie glaubhaft von der Steinzeit-Scharia und religiösem Fundamentalismus distanziert" zu haben. Weidel hatte erst vergangenen März eine schwere Niederlage erlitten, als sie bei der Wahl zur Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg durchfiel, nachdem Meuthen sich gegen sie ausgesprochen hatte.

Wahlprogramm verabschiedet

Vor der Wahl des Spitzenduos verabschiedeten die Delegierten mit großer Mehrheit ihr Wahlprogramm. Die Partei setzt darin auf rigorose Maßnahmen in der Flüchtlingspolitik: Sie will unter anderem eine jährliche Mindest-Abschiebequote und ist gegen jeglichen Familiennachzug. Kriminelle Migranten sollen ausgebürgert werden. Bekräftigt wird der Anti-Islam-Kurs der Partei mit der Aussage, der Islam "gehört nicht zu Deutschland".

Breiten Raum auf dem Parteitag nahm das Thema Familie ein. Die AfD will den "Trend zur Selbstabschaffung" der Deutschen stoppen, wofür eine "aktive Bevölkerungspolitik" nötig sei. Gebraucht würden Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenzahl. Weitere Forderungen des Wahlprogramms sind der Euro-Ausstieg, bundesweite Volksentscheide, die Rücknahme der Energiewende und die Abschaffung des Rundfunkbeitrags.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. April 2017 um 14:00 Uhr.

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