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Durch Ärztepfusch, mangelhafte Medizinprodukte und spätere Komplikationen sind im Jahr 2010 fast 35 Prozent mehr Patienten ums Leben gekommen als ein Jahr zuvor. Binnen Jahresfrist stieg die Zahl der Todesfälle von 1272 auf 1712. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Bundestagsanfrage der Grünen hervor, die tagesschau.de vorliegt.
Das Bundesgesundheitsministerium beruft sich bei seinen Angaben auf die bundesweite Statistik der ärztlichen Gutachter- und Schlichtungsstellen Medical Error Reporting System (MERS). Ein Bezug auf Zahl der insgesamt behandelten Patienten in 2009 und 2010 wird darin nicht genommen, sodass keine Aussage zur proportionalen Entwicklung möglich ist.
Vor allem die Zahl der durch Ärztefehler verursachten Todesfälle ist nach der vorliegenden Statistik stark gestiegen - von 551 auf 944. Als weitere besonders häufige Ursachen für den Tod von Patienten werden mangelnde Desinfektion, Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation und Komplikationen bei einer Implantation eines künstlichen Gerätes genannt.
61 Patienten starben dem Papier zufolge, weil Operationswunden schlecht vernäht waren, 53 kamen bei fehlerhaften Bypassoperationen oder Transplantationen ums Leben. Außerdem starben 47 durch versehentliche oder unbeabsichtigte Schnitte bei Operationen, 33 bei Endoskopie-Fehlern und 32 bei Amputationen.
Die genannten Zahlen liegen deutlich unter den Schätzungen von Patientenorganisationen. So geht etwa das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. von jährlich 17.000 Todesfällen durch ärztliche Behandlungsfehler aus.
Als Reaktion auf die veröffentlichte Antwort des Gesundheitsministeriums betonte Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery: "Jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen stirbt, ist einer zu viel. Insofern begrüßen wir eine statistisch korrekte Aufarbeitung der Todesursachenstatistik. Dazu gehört aber auch, die Ursachen der Todesfälle in ihrer schuldhaften Abhängigkeit korrekt aufzuarbeiten."
Er verwies darauf, dass Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation häufig auftretende und den Patienten vorher mitgeteilte Komplikationen sein könnten: "Mangelnde Desinfektion oder Hygienemängel sind oft Strukturfehler und nicht Arztfehler. Und Komplikationen bei einer Implantation können dann nicht Ärzten angelastet werden, wenn es sich um zwar TÜV-geprüfte, aber fehlerhafte Produkte handelt, wie bei den PIP-Brustimplantaten."
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