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Hand mit Spritze

Honorare steigen um 270 Millionen Euro

Kassen zufrieden - Ärzte sauer

270 Millionen Euro mehr für die niedergelassenen Mediziner - die Krankenkassen sind zufrieden, die Ärzte nicht. Sie hatten mehr als Zehnfache gefordert und nennen das Ergebnis der Honorarverhandlungen "fatal". Ob sie dagegen vorgehen wollen, ist noch offen. Aber die Stimmung in der Ärzteschaft ist mehr als gereizt.

Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Die Zeichen stehen auf Sturm. "Nicht mit uns", sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, KBV, Andreas Köhler. Das Ergebnis der Honorarverhandlungen sei "fatal", da die Ärzte noch "Nachholbedarf" hätten aus den vergangenen beiden Jahren, "wo wir vor dem Hintergrund möglicher Milliardendefizite bei den Krankenkassen Begrenzungen hatten, die jetzt weggefallen sind."

Kommentar: Zwischen Arztpraxis und Sozialamt liegen Welten
P. Mücke, ARD Berlin
31.08.2012 16:10 Uhr

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Zu hohe Erwartungen geweckt?

Deshalb und weil es aus Ärztesicht seit 2008 keinen Inflationsausgleich mehr gegeben habe, war Köhler mit der Forderung nach dreieinhalb Milliarden Euro mehr in die Verhandlungen gegangen - was einem Plus von elf Prozent entsprochen hätte. Dass es am Ende gerade mal 0,9 Prozent wurden, bringt nicht nur die Ärzteschaft in Rage, sondern auch Köhler selbst in Bedrängnis - hatte er doch viel zu hohe Erwartungen bei den niedergelassenen Medizinern geweckt.

Andreas Köhler, Chef der KBV
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KBV-Chef Köhler weckte hohe Erwartungen bei den Ärzten - das Ergebnis ist nun eher mager.

Wie groß der Unmut ist, wird Köhler bereits am Samstag merken. Dann treffen sich Ärztevertreter zu einer Sondervollversammlung der KBV. Dort soll nach Köhlers Worten auch beschlossen werden, wie mit dem Ergebnis umgegangen wird. Der Ärzte-Funktionär kündigte aber schon mal "ein deutlich wahrnehmbares Zeichen an", um zu zeigen, dass sich die Ärzteschaft so nicht behandeln lassen könne.

Ganz anders die Stimmung bei den Krankenkassen. Dabei mussten auch sie Federn lassen bei den Verhandlungen. Ihre Forderung, die Ärztehonorare um sieben Prozent oder 2,2 Milliarden Euro zu kürzen, wurde weit verfehlt. Trotzdem ist der Vizechef des Spitzenverbandes der Kassen, Johann-Magnus von Stackelberg, zufrieden. Er spricht von einer "vernünftigen Lösung", die den Interessen beider Seiten entgegen komme. Für die Beitragszahler bleibe der große Kostenschub aus, den die Eins-zu-Eins-Umsetzung der Ärzteforderungen bedeutet hätte. Die Krankenkassen hatten argumentiert, dass die Ärzte zwischen 2007 und 2011 von Honorarsteigerungen in Höhe von insgesamt 29 Prozent profitiert hätten.

Leichtes Plus für Ärzte-Honorare
tagesschau 20:00 Uhr, 30.08.2012, Frauke Niemeyer, ARD Berlin

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Entscheidend war die Stimme des Schlichters

Rund ein Dutzend Ärzteverbände hatten bereits im Vorfeld der Verhandlungen mit Protesten und Praxisschließungen gedroht. Streiken dürfen die Mediziner zwar nicht, aber: Nur noch das Nötigste werde gemacht, Patienten müssten lange warten.

Entscheidend war am Ende der fünfstündigen Verhandlungen der Schlichterspruch des Essener Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem, der von beiden Seiten berufen worden war. Die Kassen stimmten seiner Entscheidung zu, die einer durchschnittlichen Honorarsteigerung von 1800 Euro im Jahr pro Arzt entspricht. Die Ärztevertreter lehnten den Schlichterspruch ab. Trotzdem tritt das Ergebnis in Kraft. Die Kassenärzte können allenfalls noch auf einen Nachschlag aus den weiteren Verhandlungen über die wachsende Menge an Behandlungen und möglichen Zuschläge auf Landesebene hoffen.

Stand: 30.08.2012 21:21 Uhr

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