Einsturz des STadtarchivs in Köln im Jahr 2009 | Bildquelle: dpa

Acht Jahre nach Einsturz in Köln Und noch immer ist niemand schuld

Stand: 03.03.2017 17:52 Uhr

Vor acht Jahren stürzte das Kölner Stadtarchiv ein, zwei Menschen starben. Doch bis heute steht niemand vor Gericht. Und die Gefahr ist groß, dass strafrechtlich nicht mehr geklärt werden kann, wer schuld ist.

Von Marion Kerstholt, WDR

Mitten in Köln klafft immer noch ein tiefes Loch. Die Straße heißt Severinstraße, bis vor acht Jahren stand hier das Kölner Stadtarchiv, bis am 3. März 2009 um 13:58 Uhr die Erde zu beben begann und das Gebäude innerhalb von Sekunden einstürzte. Zwei Männer aus benachbarten Wohnungen starben, weil angrenzende Häuser ebenfalls einstürzten. 36 Menschen verloren ihre Wohnung. Jahrhundertealte Archivalien wurden zerstört. Der Schaden des Einsturzes wird auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

Jahrestag des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs
tagesschau 14:15 Uhr, 03.03.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Doch bis heute, acht Jahre nach diesem Schicksalstag für die Stadt Köln, ist für den Einsturz niemand zur Verantwortung gezogen worden. Es gibt bislang keinen Prozess. Und es droht sogar die Verjährung. Wenn bis zum 2. März 2019 kein Urteil gesprochen ist, kann keiner der derzeit 94 Beschuldigten mehr strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Nur in einem Zivilprozess könnten die Beschuldigten darüber hinaus belangt werden.

Warten auf das abschließende Gutachten

Zwei Jahre bleiben also noch. Und bislang ist noch nicht einmal Anklage erhoben. "Ich habe die Hoffnung, dass das Verfahren noch vor Ablauf dieser Frist abgeschlossen werden kann", sagt der zuständige Staatsanwalt Ulrich Bremer. Doch bisher sieht es ganz anders aus. Derzeit wartet die Staatsanwaltschaft auf das abschließende Gutachten. "Wir erwarten es in Bälde", sagt Bremer, will sich auf einen festen Zeitpunkt aber nicht festlegen. Es scheint aber mehr um Monate als um Jahre zu gehen. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung.

Dabei lag bereits kurz nach dem Unglück die Vermutung nahe, dass die Einsturzursache mit dem Bau einer neuen Kölner U-Bahn-Strecke zusammenhängen muss. Direkt vor dem Stadtarchiv befand sich die 25 Meter tiefe Baugrube. Dort hinein kippte das Stadtarchiv. Die Gutachter der Staatsanwaltschaft vermuten schon länger, dass die Wand der Baugrube ein Loch hatte. Durch dieses soll danach Grundwasser und Erde in die Baugrube geströmt sein und dem Stadtarchiv den Boden entrissen haben.

Die zuständigen Bauunternehmen haben eine andere Erklärung: Wasser und Erde seien von unten in die Baugrube hochgedrückt worden, "hydraulischer Grundbruch" sagen Experten dazu. Dann hätten die Bauunternehmen keinen Fehler gemacht, für den sie zur Verantwortung gezogen werden könnten.

1/8

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs und die Rettung der Dokumente

Einsturz des Stadtarchivs in Köln im Jahr 2009

Am 3. März 2009 stürzte in Köln das Gebäude des Stadtarchivs zusammen mit zwei Nachbarhäusern in eine 25 Meter tiefe Baugrube. Vor dem Gebäude wurde an einer neuen U-Bahn-Linie gebaut. Acht Jahren später ist noch immer nicht vollständig geklärt, warum es zu dem Unglück kam, bei dem zwei Anwohner starben. | Bildquelle: picture alliance / dpa

124,9 Mio. Euro für Beweissicherung

Um die genaue Ursache des Einsturzes zu klären, arbeiten die Ermittler nun seit die Bergung der Archivgüter 2011 beendet wurde. "So ein Fall ist deutschlandweit noch nie aufgetreten", sagt Staatsanwalt Bremer. Die Ermittler haben mit Zeugen gesprochen, große Mengen Daten ausgewertet.

Doch um die Ursache des Einsturzes zweifelsfrei zu belegen, musste erneut gebaut werden. Man errichtete ein so genanntes Besichtigungsbauwerk, also einen Betonschacht, um die vermutete Problemstelle in der Baugrube herum. Dabei wurde der angrenzende Boden künstlich vereist, damit bei der Ursachenforschung kein Steinchen von seinem ursprünglichen Platz wegbewegt wird. Die Beschuldigten könnten sonst sagen, dass ein möglicher Schaden erst nach dem Einsturz entstanden sei.

In dem gebauten Schacht wurde dann Schicht um Schicht Erde abgetragen, bis man zur vermuteten Problemstelle vorgedrungen war. Ein Großteil dieser Arbeit musste dabei von Tauchern ausgeführt werden, weil hier in der Nähe des Rheins Grundwasser einströmt. Weil alle diese Arbeiten so aufwendig waren, ist das Gutachten bis heute nicht fertig. Die Beweissicherung kostete bisher 124,9 Millionen Euro.

Einsturz des Stadtarchivs in Köln: Bergung der Dokumente | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Suche nach Dokumenten im März 2009

Keine Entschuldigung der Stadt

"Für uns ist es extrem unbefriedigend, dass die Ermittlungen so lange dauern", sagt Frank Deja. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative "Köln kann auch anders", die nach dem Einsturz des Stadtarchivs gegründet wurde und Versäumnisse in der Kölner Stadtpolitik aufzeigen und verändern will. Es sei aber verständlich, dass man bei der Sicherung der Beweise extrem sorgfältig vorgehen müsse.

Auf Seiten der Stadt vermisst Deja allerdings eine Aufarbeitung des Geschehens. "Bislang ist niemand bei der Stadt zur Rechenschaft gezogen worden. Es wird nichts aufgearbeitet", so Deja. Bis heute habe sich die Stadt auch bei den Betroffenen nicht entschuldigt.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte heute bei der Gedenkfeier Initiative "Köln kann auch anders" man müsse nach vorn blicken. " Ein großer Teil des kollektiven Stadtgedächtnisses wird wieder nutzbar sein", so Reker. Mit ihrer Teilnahme war erstmals ein Oberbürgermeister der Stadt Köln bei diesem Termin mit dabei.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2017 um 14:15 Uhr.

Korrespondentin

Marion Kerstholt Logo WDR

Marion Kerstholt, WDR

Darstellung: